Und plötzlich schunkelte ich mit

Der Berliner an sich mag keinen Karneval. Die Berlinerin auch nicht…

  • Pünktliche und verordnete Gruppenfröhlichkeit
  • Dröge Witze auf den Sitzungen
  • Ein Umzug der Selbstbeweihräucherung von Karnevalsvereinen
  • Überall betrunkene Leute
  • Was erstaunlich ist, da es nur dünnes „Bier“ in winzigen Gläsern gibt

Muss man nicht mitmachen… kann man aber. Und ich wollte dieses Treiben erleben. Einmal – schauen, wie das so ist. Verdammte Neugier!

Wie gut, dass der Andy jeden Mist mitmacht… also haben wir uns äußerst praktische und unglaublich süße Panda-Kostüme besorgt (natürlich bei Maskworld) und sind mal eben nach Köln gefahren.

So. 07.02.2016

Roadtrip – frühes Aufstehen war angesagt – schließlich trennten uns etwa 6 Stunden Autofahrt von einem kleinen verschlafenen Dorf in der Nähe von Köln. In Rommerskirchen sollte uns das erste bisschen Karneval erwarten. Ein lokaler Umzug (Veedelszug) – natürlich nur echt erlebbar, wenn man gute Freunde hat, die da auch wohnen. Von liebevoll gestalteten Wagen – meist von Traktoren gezogen – wurden Kamelle und auch der eine oder andere Kurze geworfen. Die Kinder hatten definitiv ihren Spaß – und wir irgendwie auch. Ich glaube aber, das lag vor allem daran, dass meine Freunde so gut für uns sorgten und wir uns nicht so verloren vorkamen, wie ich es befürchtet hatte. Noch war das ganze Karnevalstreiben irgendwie befremdlich… lustig aber doch seltsam fremd.

Den Abend verbrachten wir dann schon in Köln (keine Bange – Andy hat einfach nichts zu trinken bekommen und musste dann den Rest fahren)

Zum schlafen gehen war es aber noch deutlich zu früh… also zogen wir noch ein wenig um die Ehrenfelder Häuser und fanden dann nach langem Hin- und Her die Moselstube, in der schon ordentlich Party angesagt war. Drinnen kamen wir dann das erste Mal mit kölschem Liedgut in Kontakt und drückten uns lieber in einer der Ecken rum statt im Getümmel mitzutanzen. Erstmal beobachten das Ganze. Erstaunlich fanden wir, dass das Publikum sehr gemischt war. Von ganz jungen Menschen – die wohl grade mal so Bier trinken dürfen – bis hin zum Rentner feierten alle ausgelassen miteinander. Irgendwann wurde es dann aber doch sehr voll und wir beschlossen, weiter zu ziehen und fanden auch eine sehr nette Kneipe mit witzigen Gästen und irgendwie wollte auch niemand Geld für Kölsch von uns nehmen. Jep… Kaum sind wir drei Stunden in Köln, haben wir schon die erste Privatparty gecrasht. Unabsichtlich natürlich. Wir entschuldigten uns so eloquent wie es nur ging beim Gastgeber und machten uns schnell auf die Socken.

Mo. 08.02.2016

Düsseldorf – abgesagt, Mainz – abgesagt… sind wir etwa 600km ganz umsonst gefahren? Würde der Kölner Rosenmontagsumzug ebenfalls einer unsicheren Wetterlage mit drohendem Sturm und Gewitter zum Opfer fallen? Nein! Die Kölner specken einfach den Umzug ab. Keine großen Aufbauten auf den Wagen und keine Pferde, so dass die Gefahren durch etwaige starke Böen nicht mehr gegeben waren.

Also machten wir uns frohen Mutes auf in die Südstadt. Laut mobiler Webseite der Stadt Köln gibt es dort ein paar Eckchen, wo das Gedrängel nicht ganz so groß ist. Und tatsächlich ergatterten wir einen Platz in erster Reihe und bestaunten so den Kölner Rosenmontagsumzug. Ein paar ungeordnete Gedanken dazu:

  • Politische Aussagen waren eher wenig zu sehen – wahrscheinlich wegen der fehlenden Aufbauten. Das war schade.
  • Die ewigen Rufe (fast schon an Bettelei erinnernd) nach „KAMELLE!!!“ gingen mir dezent auf die Nerven.
  • Ich bekam ein Strüssjer (Blümchen) – das war so süß!
  • Es gab erstaunlich wenig Musik von den Wagen – dafür aber um so mehr von den fantastischen Kapellen
  • Andy: „Weder Fotos noch Übertragungen im Fernsehen konnten mich auf die unvergleichliche Stimmung vor Ort vorbereiten.“
  • Köln hat echt eine Menge Karnevalsvereine
  • Die Funkenmariechen haben meinen größten Respekt für die sportlichen Leistungen
  • 4 Stunden rumstehen sind aber auch anstrengend

 

Nach einem leckeren Burger im Bird Cologne und einem Nachmittagsschläfchen verbrachten wir den Abend dann in einem Irish Pub (klar, was sonst?). Dort war richtig Stimmung und die Musik wechselte zwischen Partyklassikern, kölschem Liedgut und Schlagern. Vielleicht war das nur die kölsche Freundlichkeit – aber recht viele Mitfeiernde lobten die Auswahl unserer Kostüme. Mittlerweile waren wir auch schon soweit angesteckt, dass wir ebenfalls das Tanzbein schwungen. Fühlte sich irgendwie auch ähnlich an wie in der Hafenbar – nur kostümiert.

Di. 09.02.216

Am Veilchendienstag hätten wir uns noch jede Menge Veedelszüge anschauen können – aber wir zogen es vor, klassisches Sightseeing und Shopping zu unternehmen.

Am Abend zuvor hatten wir den Tipp bekommen, dass „Em golde Kappes“ genau der Ort wäre, wo wir sein wollen für die letzten Stunden Irrsinn bevor am Aschermittwoch alles vorbei sei. Da überlegten wir nicht lange, schwangen uns wieder in unsere Panda-Kostüme und fuhren den weiten Weg nach Nippes. In der urkölschen Kneipe erlebten wir dann wohl das traditionellste was man am Karneval mitmachen kann:

  • nur kölsches Liedgut – den ganzen Abend lang
  • Kölsch für lächerliche 1,40 Euro
  • die obligatorische Nubbelverbrennung (der größte Dreckssack von Nippes)

Wir waren offenbar die einzigen Fremden dort und ein Kollege der Nippeser Bürgerwehr war auch ehrlich erstaunt: „Ihr fahrt aus Berlin hierher? Und dann kommt ihr nach Nippes???“

Ja – für den einen oder anderen grandiosen, witzigen, lauten, verkleideten, kölschen Karnevalsabend – machen wir das. Vielleicht werden wir sogar Wiederholungstäter. Aber verratet das niemandem in Berlin.

Fotos: überwiegend von Andreas Kruck (ein paar wenige von mir selber)

Ein Wochenende mit Freunden

Ich habe mich ja schon oft gefragt, was Menschen eigentlich zu Freunden macht (z.B. Freundschaft) und manchmal zweifle ich auch daran, ob all die Menschen, die ich als Freunde bezeichne, tatsächlich diesen Titel verdienen…

Alljährlich veranstalte ich ein Sommerfest im Garten meiner Eltern. Geboren wurde diese Idee im Jahre 2003 als ich in Coburg lebte und all meine Herzmenschen und Freunde aus Berlin nur selten sehen konnte. Was lag da näher, als:

  • Alle Freunde anrufen und für ein Wochenende einladen
  • Zelte aufbauen
  • Ein Lagerfeuer entzünden (und die obligatorischen Lieder singen)
  • Gemeinsam kochen
  • Gemütlich zusammen sitzen
  • Das eine oder andere Bierchen trinken (natürlich Eschenbräu)

FeuerKONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAkochen

Mittlerweile ist dieses Wochenende deutlich organisierter (ich lasse kochen und das leckerste Bier Berlins gibt es aus logistischen Gründen leider auch nicht mehr) – aber der Grundgedanke ist immer noch da. Ich sehe all die Menschen, die mir am Herzen liegen ein ganzes Wochenende und sorge soweit es geht dafür, dass sie eine gute Zeit haben.

Mit den Jahren wurde diese Veranstaltung sehr beliebt und der Garten stößt an die Kapazitätsgrenzen. Es gibt keine Fläche für weitere Zelte, am Lagerfeuer können nicht mehr alle Gäste Platz nehmen und von der Schlange vor der Dusche am Morgen möchte ich gar nicht erst reden. Daher musste ich auch dieses Jahr wieder überlegen, wen ich einlade und wen nicht. Um euch mein Dillemma dieser Entscheidungsfindung etwas näher zu bringen, gebe ich hier ohne Wertung einige meiner Gedanken wieder:

  • Na klar müssen meine ältesten Freunde dabei sein!
  • Aber ich möchte auch neue Freunde einladen!
  • Und überhaupt. Was habe ich mit Person X denn noch zu tun? Wir sehen uns doch eigentlich nur zum Sommerfest
  • Hat sich Person Y eigentlich jemals bei mir gemeldet?
  • Wie gern hätte ich liebste Freunde aus Huntlosen dabei… aber das geht aus gesundheitlichen Gründen leider nicht.
  • Ob es Personen A, B und C wohl letztes Jahr gefallen hat? Kannten ja niemanden weiter und blieben eher unter sich.
  • Ach – ich lad sie einfach wieder ein. Absagen können Sie ja immer noch.
  • Einer meiner Herzmenschen wird endlich mal Zeit haben! \o/
  • Bitte was? Du möchtest 5 (in Worte: fünf) weitere Personen mitbringen, die ich nicht kenne? Ähm… eher nicht.

Am Ende waren es 30 erwachsene Gäste (soweit man bei dieser Truppe von „erwachsen“ reden kann) und 7 Kinder… und ich habe mich über jeden einzelnen Gast – groß wie klein –  gefreut!

Alte wie neue Freunde verbrachten eine schöne Zeit (bilde ich mir zumindest ein) und ich bin überzeugt davon, dass es genau die richtige Mischung an Leuten war. Ich sah den Großteil meiner Vergangenheit, meine Gegenwart und meine Zukunft versammelt an einem Platz und ich habe mir mehr als einmal gewünscht, dass solche Harmonie beständig sein möge.

In diesem Jahr wurde mir die Bedeutung meiner Freunde besonders bewusst, da ich mich leider auch von einem Freund aus Kindertagen für immer verabschieden musste. In dieser schweren Zeit konnte ich mich nach dem Abschied einfach in offene Arme fallen lassen und  still in Erinnerungen schwelgen. Mir wurde so wieder mal vor Augen geführt: Ich kann mich auf meine Freunde verlassen – sie sind für mich da wenn ich sie brauche.  Auch wenn wir uns nur einmal im Jahr sehen.

Das alles sind Gründe, dass es – trotz zunehmendem Organisationsstress – auch im nächsten Jahr wieder ein wundervolles Wochenende mit Freunden, Lagerfeuer, Zelten, Essen, Getränken und Gesprächen geben wird. Ich freue mich schon jetzt drauf.