LARP: Back to the Roots

„Wir verkleiden uns wie bei ‚Herr der Ringe‘, zelten, sitzen am Lagerfeuer und singen, laufen durch den Wald und erleben fantastische Abenteuer. Kein Mobiltelefon, keine Uhr – der übliche Alltag wird für einige Tage vergessen.“ So oder ähnlich erkläre ich meiner Oma, was LARP ist und was ich da so tue. So einfach diese Beschreibung ist, so richtig ist sie meiner Meinung nach doch. Leider war sie lange Zeit nicht ganz wahr. Abenteuer habe ich auf den letzten Veranstaltungen nicht erlebt. Das lag keinesfalls an der Orga oder an den Mitspielern. Vielmehr war ich zu einem Gewandungsgriller mutiert. Eigentlich kann ich mich auch nicht erinnern jemals aktiv und aus eigenem Antrieb am Plot teilgenommen zu haben. Dieser Umstand wurde mir so richtig bewusst, als ich im letzten Jahr Mythodea mit sehr ambivalenten Gefühlen verließ.
Darum beschlossen der Gehirnstürmer und ich auf meine Initiative hin, dass wir die Sache mit dem „richtig spielen“ mal ausprobieren. So mit „die ganze Zeit IT bleiben“ und so. Er selbst war früher ein sehr aktiver Spieler – hatte aber in den letzten Jahren auch das Interesse an Abenteuer und Plot verloren. Also suchten wir uns eine kleine aber feine Veranstaltung raus, auf der wir möglichst niemanden kannten. Unsere Hoffnung: wenn wir nicht auf Freunde treffen, bleiben wir IT.

Tatsächlich hatten wir dort ein wunderbares langes Wochenende und erlebten all die wunderbaren Dinge, die zu einem ordentlichen LARP gehören:

  • Ein etwas konfuser aber netter Plot, der uns die ganze Zeit IT hielt
  • Unfassbar nette Mitspieler
  • NSCs, die ihre verschiedenen Rollen unglaublich schön spielten
  • Leckeres – über offenem Feuer gekochtes – Essen
  • Ein lustiger Abend in der Taverne
  • Spannende Abenteuer im Wald („Wir sind ehrliche Räuber!“)

Anders als auf den letzten Veranstaltungen spielten wir tatsächlich die ganze Zeit und erlebten die Abenteuer von Tiberius und Alia sehr intensiv. Es gab nur wenige kurze Phasen, in denen Gehirnstürmer und Bea miteinander sprachen. Am Samstag Abend durften wir sogar eine Hauptrolle für die Lösung des Plots einnehmen und der Gehirnstürmer spielte seinen Part, die bösen Mächte zu verbannen, angemessen laut und mit viel Pathos. Ich bekam eine Gänsehaut als ich bemerkte wie viel Spaß er dabei tatsächlich hatte. Auch unsere Mitspieler sprachen ihm später Respekt und Lob für die großartige Show aus.

Auf dem Rückweg ließen wir die vergangenen Tage Revue passieren und stellten erfreut fest:

  • Der Gehirnstürmer hat es noch voll drauf!
  • Ich selbst habe noch nie so viel Freude, Nervenkitzel aber auch Entspannung beim LARP erlebt.
  • Wirklich zu spielen macht deutlich mehr Spaß als in Gewandung am Grill zu sitzen.
  • Kleine Cons sind so viel schöner als große.

Fakt ist: Beim nächsten Mal machen wir es ganz genauso. Ich lasse mir diesen neu gewonnenen Spaß an unserem Hobby nicht mehr nehmen. Natürlich ist es viel bequemer ein Wochenende lang im Lager zu entspannen – das macht wenigstens keinen Muskelkater – aber es ist so viel erlebnisreicher und spannender sich den angebotenen Abenteuern zu stellen.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch herzlich bei allen Mitspielern, NSCs und natürlich der Orga „Tiratment“ für dieses gelungene Wochenende bedanken.

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Mythodea – Abschiedsgedanken

Der Abreisetag war im Großen und Ganzen ein ganz normaler Abreisetag – nur besser organisiert. Auf das Gelände durften nur PKW fahren, die der Spielleitung nachgewiesen haben, dass sich alles Gepäck fertig in der Ladezone befindet. So wurde verhindert, dass zu viele Autos die wenigen Stellplätze unnötig lange belegen. Um es kurz zu fassen war unser Tagesablauf wie folgt:

  • Frühstück und Kaffee
  • Verabschiedungen, Knuddeln hier, Umarmungen da
  • Klamotten packen, Zelt abbauen
  • Lange – politisch motivierte – Gespräche während wir darauf warteten, dass es in der Ladezone leerer wurde
  • Einpacken und losfahren ohne einen Blick zurück zu werfen

Die Heimfahrt war sehr still und es dauerte nicht lange, dass meine Mitfahrerinnen eingeschlafen waren. Die paar Kilometer von Hannover nach Berlin kamen mir noch nie so anstrengend vor. Spät am Abend durfte ich dann auch endlich in mein kuschlig weiches Bettchen fallen und sofort einschlafen. Gedanken über die vergangenen Tage machte ich mir erst beim Schreiben der vergangenen Blogposts und es gibt noch immer Einiges, das nicht zu Ende gedacht ist. Darum bewerfe ich euch jetzt einfach mal mit ein paar Gedankenfetzen. Fühlt euch frei, sie mit mir zu diskutieren – hier oder persönlich.

  • Larp ist ein Hobby das man nicht nebenbei macht. Gewandungsgrillen kann man notfalls auch auf dem Tempelhofer Feld veranstalten. Sieht dann zwar seltsam aus, bedeutet aber sicher nur marginalen Unterschied.
  • Eine Veranstaltung über mehrere Tage ist deutlich intensiver als ein Tavernenabend und ich finde, diese Zeit sollte man mehr intime als outtime verbringen.
  • Sich als Anfänger einer Gruppe anzuschließen, die schon seit vielen Jahren spielt kann zwei Effekte haben:
  1. Man selbst wird lethargisch, findet alles langweilig, nimmt nicht am Spiel teil. Warum? Langjährige Spieler neigen zu einer Langeweile-Haltung während des Spiels. Hat man ja alles schon gesehen oder gehört – nichts kann mehr faszinieren. Alle Heldentaten sind schon erlebt und besungen – der Fantasie bleibt kein Raum. Dieses Verhalten steckt leider auch Anfänger an.
  2. Die langjährigen Spieler entdecken durch den Enthusiasmus des Neulings wieder, warum sie dieses Hobby vor langer Zeit überhaupt mal angefangen haben. Die Faszination der Fantasie wird wieder erweckt.
  • Für mich persönlich soll LARP in Zukunft ein Mittel sein, meine Schwächen zu bekämpfen oder zumindest zu lernen mit ihnen umzugehen. Ich weiß ziemlich genau in welchen Bereichen ich Defizite habe und dieses Hobby bietet mir in mehr als einer Hinsicht die Möglichkeiten, genau in diesen Bereichen an mir selbst zu arbeiten.
  • Ich hoffe, in Zukunft auch von Heldentaten berichten zu können – aber dazu muss ich vor allem eines tun: spielen! Genau das werde ich auch tun – notfalls in einer anderen (noch zu findenden) Gruppe.
  • Mythodea ist eine Großveranstaltung und es hat sich gelohnt, das alles einmal erlebt zu haben. Ob der Preis einen zweiten Besuch wert ist, weiß ich noch nicht so richtig. Hier geht es mir allerdings weniger um den Eintrittspreis als mehr um die Woche Urlaub, die dabei zwangsweise draufgeht.
  • Auch wenn ich viele negative Stimmen zur Orga und zum Plot gehört habe: für mich als Neuling und mit kindlichem Blick auf das Geschehen war das alles sehr spannend und aufregend. Die Stadt mit all den Händlern, die liebevoll gestalteten Lager, das Siegel, die teils fantastischen Palisaden (insbesondere im Luftlager), die kunstvollen Darbietungen auf dem Hauptplatz der Stadt (Feuer- und Wassershows), die Musik, und noch soooo viel mehr.

Mir gehen noch viel mehr Gedanken durch den Kopf, wenn ich Mythodea Revue passieren lasse. Leider sind diese wirren Fetzen noch nicht richtig formulierungsbereit. Darum erspar ich sie euch lieber.

Schlussendlich möchte ich mich bei ein paar lieben Freunden ganz besonders bedanken:

  • Elli, die mir unermüdlich morgens die störrischen Haare zu einer praktischen Frisur geflochten hat. Vielen Dank dafür!
  • Die Crew des Jolly Rouge, die mir mit dem eigentlich nicht vorhanden Service eine wunderbare Zeit, einen Zufluchtsort und vor allem morgendlichen Kaffee und andere leckerste Drinks geboten hat. Vielen Dank dafür.
  • Lena, die mich immer wieder aus meiner Lethargie herausholte und mir zeigte, dass Rollenspiel wirklich Spaß machen kann, wenn man dazu bereit ist. Vielen Dank dafür!
  • Georgi, die das alles auch zum ersten Mal erlebte und die Gruppe mit Enthusiasmus und unglaublicher Entspannung (gleichzeitig!) ansteckte. Georgie, thank you for sharing this experience. I enjoyed being relaxed and excited with you about all the new impressions!
  • Marko, der mit netten und gemütliche Abenden und einer rauschenden Geburtstagsfeier dafür sorgte, dass schlechte Laune immer wieder schnell verflog. Vielen Dank dafür!
  • Andy (der gehirnstuermer) der mich überhaupt erst überzeugt hat, mitzufahren und sich die gesamte Zeit rührend um mich und meine Launen gekümmert hat. Danke für alles ❤

Fühlt euch alle herzlichst umarmt und gegebenenfalls geküsst. Ich hatte eine großartige Zeit, auch wenn das manchmal nicht ganz so den Eindruck gemacht hat.

„Wir sehen uns in Mythodea!“ Vielleicht.

Mythodea – Ungeahnte Dimensionen

Die Kinder im Nachbarlager waren am Samstag morgen sehr gnädig, so dass wir wirklich lange schlafen konnten und uns lediglich die gestaute Hitze im Zelt aufweckte. Dass es bereits fast Mittag war, störte uns erstaunlich wenig. Nach dem obligatorischen Kaffee im Jolly Rouge verbrachten wir den größten Teil des Nachmittags bei Freunden in der Vorstadt, wo wir ausgefeilte Intime-Geschäftsideen ausarbeiteten. Diese Gespräche waren eine seltsame Mischung aus intime und outtime, die mich aber aufgrund des Humors wenig verstörten. Ich fand es faszinierend, wie man trotz solch alberner Gespräche das Gefühl haben kann, intime zu sein. Diese neue Erfahrung sollte ich versuchen umzusetzen und den Status „intime“ nicht als ein Extrem anzusehen.

Eine meiner Mitfahrerinnen spielte in einem komplett anderen Lager und wir hatten auf der Hinfahrt ausgemacht, dass wir alles nötige für die Rückfahrt absprechen, wenn wir uns mal zufällig über den Weg laufen. Das war bis dahin noch nicht geschehen. Dieser Fakt machte mir unter anderem klar in welchen Dimensionen sich diese Veranstaltung abspielte. Auf normalen Cons trifft man sich immer mal wieder, quatscht ein bisschen, geht wieder seiner Wege… das war hier anscheinend nicht einfach so möglich. Also beschloss ich, sie suchen zu gehen, um mit ihr die Abfahrt am nächsten Tag zu besprechen. Zumindest ihr Lager und ihre allgemeine Rolle kannte ich ja. Dummerweise wußte ich ihren Charakternamen nicht. Wie also frage ich mitten im Spiel in einem fremden Lager nach einer Person, deren Namen ich nicht kenne? Ihren richtigen Namen wollte ich nicht verwenden, da das das Spiel für die anderen kaputt machen würde. Also schlenderten wir erstmal zu ihrem Lager und suchten das Lazarett – dort sollte man doch eine Heilerin finden können, oder? Ein hilfsbereiter Spieler versuchte uns aufgrund der Beschreibung zu helfen und führte uns dann in eines der Zelte. Dort fanden wir zwar nicht meine Mitfahrerin aber eine grandiose Idee. Das Lager der Heiler hatte sich eine Fotowand gebastelt – jeder Charakter mit Intime-Name war dort abgebildet. Nun kannten wir auch ihren Namen. Leider war sie aber nicht im Lager anwesend – also liessen wir ihr einfach die nötigen Informationen ausrichten.

Während der Suche nach der Mitfahrerin fiel mir wieder einmal auf, wie viel schöner die anderen Lager sind. Selbst die Palisaden im nördlichen Lager waren viel imposanter als die unseren. Sollte ich noch einmal nach Mythodea reisen, möchte ich jedenfalls nicht wieder im Wasserlager residieren. Es gibt so viele Möglichkeiten und Orte auf diesem riesigen Gelände, dass man nicht unbedingt nach der scheinbar günstigsten Lage aussuchen sollte. Das Wasserlager sah auf dem Lageplan zwar sehr sympathisch aus – war dann aber doch ein riesiger Reinfall. Sowohl vom Ambiente her als auch von der Lage. Am meisten beeindruckt hat mich immer noch das Feuerlager. Ich glaube da würde ich im nächsten Jahr gerne wohnen. Oder in der Stadt.

Dort war nämlich immer Action. Die Stadt die niemals schläft. Besonders interessant fand ich die Spiele der Straßengangs. In einer Art „Capture the flags“ ging es darum, möglichst viele grüne Bänder der gegnerischen Banden zu ergattern – notfalls mit roher Gewalt und Knüppeln (aus Schaumstoff natürlich). Die Mädels des Jolly Rouge („Les amies“) erspielten – soweit ich das mitbekommen habe – den zweiten Platz um die Bänder. Wirklich spaßig anzuschauen war dann aber das Finale der Spiele. Alle beteiligten Gangs trafen sich auf dem Hauptplatz der Stadt zu einer riesigen Rauferei. Die „Amies“ schafften es sogar unter großem Jubel aus dem Jolly Rouge als letzte Gang aufrecht zu stehen und das Finale für sich zu entscheiden. Der gehirnstuermer war der Meinung, ich selbst würde auch gut in eine solche Gruppe passen. Darüber dachte ich lange nach. Natürlich hätte das einige charmante Effekte, in einer solchen Gang zu spielen:

  • Ich wäre nicht auf die Rolle des Magierlehrlings beschränkt
  • Ich hätte an den Nachmittagen Beschäftigung wenn es den anderen Spielern unserer Gruppe zu warm ist, etwas zu unternehme
  • Die intensiveren Vorbereitungen (Kleider nähen etc.) schweißen eine solche Gruppe sicher enger zusammen als die kurze Absprache „Wann fahren wir?“
  • Ich könnte Hemmungen schneller abbauen
  • Ich könnte mal üben, über einen längeren Zeitraum mit einer Mädchengruppe klar zu kommen.

Dennoch ist dieser Vorschlag aus einem einzigen Grund nicht umsetzbar – selbst wenn ich das Glück hätte, in einer solchen Gruppe willkommen zu sein: Ich bin Bewegungslegastheniker. Kontrollierte Bewegungsbläufe sind nicht so ganz meins. Wenn ich mir vorstelle, in dieser Rauferei die Fäuste, Knie und Ellbogen rechtzeitig abbremsen und ordentlich fallen können zu müssen, weiss ich schon jetzt: Das macht reales Aua. Für die anderen. Das will ich nun wirklich nicht.

Da die Temperaturen mittlerweile erträglicher wurden und die fiese Riesenblase den gehirnstuermer auch nicht mehr ganz so schlimm plagte, verfolgten wir unseren gefassten Plan und und schauten uns „Argus“ (den Bösewicht) in seinem Käfig an. Dabei stolperten wir quasi direkt in den Anfang der Endschlacht. Natürlich wollten wir uns nicht beteiligen… aber zusehen. Darum gaben wir uns dem verpönten Schlachtfeldtourismus hin. Allerdings hatten wir sogar intime eine gute Entschuldigung für dieses Verhalten. Schliesslich sollte Alia ja mal sehen, wie so eine Schlacht aussieht und wie man sich als Magier da nützlich machen kann. Das Ganze dauerte stundenlang – immer wieder tauchten neue gerüstete Spielergruppen auf, die total wild darauf waren, sich in das für mich undurchsichtige Getümmel zu stürzen. Der gehirnstuermer hatte großen Spass daran, dem Schlachtfeldschach zu folgen (Welche Banner bewegen sich wohin? Welche Strategien werden verfolgt?). Da ich mit 1,66m nicht unbeding als großgewachsen gelte, beschränkte sich mein Gesichtsfeld größtenteils auf Schultern und hochgestreckte Langwaffen. Nicht unbedingt spannend. Irgendwann fanden wir aber eine kleine, halbwegs sichere Anhöhe, von der auch ich das Geschehen gut überblicken konnte.

Ganz allgemein ist so eine Endschlacht schon sehr martialisch und hinterlässt einen aggressiven Eindruck. Ich konnte und wollte mir nicht vorstellen, was passiert, wenn jemand tatsächlich aufgrund einer realen Verletzung zu Boden geht.

  • Bemerken die Spieler im Umfeld, dass es sich um eine echte Verletzung handelt?
  • Wird jemand helfen können?
  • Besteht die Gefahr einer Massenpanik?
  • Wie bekommt man Verletzte aus diesem Gedränge raus?

Mitten in diesem Gedankengang geschah Seltsames auf dem Feld: in einem großen Umkreis knieten sich die Spieler ruhig nieder, Schlachtschreie verstummten schlagartig und in der Mitte stand jemand mit hochgereckten roten Fahnen. Kurz darauf kam der Rettungswagen und tat seine Pflicht. Ich war schlichtweg beeindruckt. So viel Disziplin und Koordination hätte ich in diesem Szenario nicht erwartet. Respekt an alle Spieler und Spielleiter.

Mir bzw. Alia fiel auf, dass die meisten der Magier genau wie sie nur tatenlos herumstanden und sich das Gemetzel betrachteten. Daher setzte sich Alia ein sehr ehrgeiziges Ziel für die Zeit nach Ihrer Ausbildung: Es muss doch möglich sein, durch Diplomatie und gekonnte Rethorik, selbst egozentrische Magier dazu zu bewegen, an einem Strang zu ziehen und die Krieger z.B. mit magischen Rüstungen oder Heilung zu unterstützen. Ehrgeizig aber machbar. In ein paar Jahren. In einer anderen Dimension. Oder so.

Nach dem Finale der Schlacht und der Vernichtung der bösen Figur des Argus warteten wir noch auf weitere Geschehnisse, zogen es aber vor, den Zubertermin nicht verfallen zu lassen. Sauber und entspannt starteten wir dann gegen Mitternacht in die größte Partynacht der Veranstaltung. Zumindest wurde mir sie als solche angepriesen. Ich konnte allerdings wenig Unterschied zu den anderen Nächten feststellen. Vor allem fehlte mir die Tavernenstimmung, die ich von früher kannte. Wein, Weib und Gesang. Wieso kam das denn auf einer so großen Veranstaltung nicht zum Tragen? Ich hatte irgendwie erwartet, von einer Taverne in die nächste zu ziehen und überall alte und neue Lieder zu hören. Das war aber leider nicht der Fall. Wenn tatsächlich mal Musik gespielt wurde, waren es entweder nur zu laute und eintönige Trommeln oder Lieder die ich nicht kannte und die auch wenig Tavernenstimmung erzeugten. Ich stellte die These auf, dass dieses Potential eher die alten Lieder haben. Der große Rest der Gruppe war der Meinung, dass die alten Lieder schon tausendmal gehört und eher langweilig sind. Die ganze Nacht hindurch vermisste ich aber genau diese alten Lieder, den gemeinsamen Gesang, das Gejohle.

Eigentlich wollten wir nur kurz auf einen Abschiedstrunk im Jolly Rouge vorbei schauen… und ich staunte nicht schlecht, was da vor sich ging. Gitarren, Gesang, Trommeln… und die alten Lieder. Da war sie – das Stimmung nach der ich mich so sehr gesehnt hatte. So blieben wir bis zum Morgengrauen, sangen, lachten, hatten unglaublich viel Spass. Auch wenn ich mich jetzt ein wenig weit aus dem Fenster lehne – aber ich glaube trotz der vorangegangen kontroversen Diskussion hatte auch der gehirnstuermer im Jolly Rouge den größten Spass des Abends. Mit den alten Liedern.

Mythodea – Zeit der Vernunft

Der Freitag in Mythodea begann mit lautem Ach und Weh. Der gehirnstuermer hatte sich am Vortag eine Blase gelaufen, die trotz spezieller Pflaster und Kompresse von den Johannitern größer und schmerzafter wurde. Er überlegte sogar, vorzeitig abzureisen. Ich selbst stand also den ganzen Vormittag vor der Entscheidung, ob ich dann mitfahren würde oder nicht. Allein da bleiben schien mir irgendwie seltsam – da er ja auch den Großteil der Gruppe und vieles von dem Gepäck mitnehmen müsste. So saßen wir lange im Jolly Rouge bei Frühstück und Kaffee und diskutierten die zur Verfügung stehenden Optionen. Als wir die nötigen Maßnahmen analysierten, stellten wir fest, wie viel realen Aufwand eine vorzeitige Abreise bedeuten würde und er entschied sich schlußendlich dagegen – zur Erleichterung der ganzen Gruppe.

Diese fiese Riesenblase verhinderte dann auch dass  wir den am Vortag gefassten Plan vollständig umsetzen konnten. Durch die Lager laufen, Questen lösen, vielleicht sogar vor Schlachten wegrennen war einfach nicht möglich – was aufgrund der unglaublichen Hitze vielleicht sowieso nicht die besten Idee gewesen wäre.

Wenigstens den ersten Punkt des Plans nahmen wir in Angriff. Im Schatten unserer Zelte im Lager setzten wir uns gemeinsam hin und ich erhielt meine erste Lektion in Magie-Theorie.  Der Unterricht war unglaublich spannend und wirklich interessant Ich fand so auch schnell in meine Rolle und obwohl wir nur zu zweit waren, bereitete mir das Spiel großen Spaß.  Mein neu erlangtes Wissen wurde am Abend sogar mit einem befreundeten Priester diskutiert und um neue Aspekte erweitert. An solche „magie-wissenschaftlichen Erörterungen“ könnte ich mich wirklich gewöhnen und sobald ich mehr Wissen angesammelt habe, werde ich darin bestimmt auch sicherer. Bis dahin fühle ich mich in der Rolle des Lehrlings sehr wohl. Diese Erfahrung des kleinen aber feinen Spiels überzeugte mich auch wieder, dass LARP ein interessantes Hobby ist, das wirklich Spass machen kann.

Nach drei Tagen brütender Sommerhitze, Staub und fettigem Essen, das sich auf der Kleidung verteilte, beschloss ich endlich mal meine Klamotten auszuwaschen. Dank der Temperaturen waren alle Sachen auch in wenigen Stunden wieder komplett trocken. Wie machen das eigentlich andere Spieler? Investieren sie ausreichend Geld oder Freizeit um selber zu nähen, so dass sie genügend Wechselsachen haben? Lassen sie den Dreck einfach Dreck sein? Letzteres vermute ich ja fast… ist aber keine Option für mich. Ich war mit der Entscheidung diesen kleinen Arbeitseinsatz zu erledigen im Endeffekt sehr zufrieden.

Am Abend bekam unsere illustre Gruppe Verstärkung von einer Freundin, die dem Orga-Team angehörte. Diese junge Dame ist keine Freundin von mir – ich habe sie bis dahin nur einmal getroffen – aber meine Freunde lieben sie wie eine kleine Schwester. Normalerweise komme ich mit fremden Menschen sehr gut zurecht und bin auch in der Lage Menschen zu akzeptieren, mit denen ich nicht so viel anfangen kann. Leider verhält es sich anders bei dieser sicherlich sehr netten jungen Frau. Ihr kennt das vielleicht, wenn von Anfang an die Chemie nicht stimmt… Jedenfalls ermüden mich ihre endlosen Monologe und manche Themen machen mich durchaus auch aggressiv. Dieses Verhalten ist keineswegs ihr Fehler – sondern ganz allein mein Problem, mit dem ich lernen muss umzugehen. Da ich weiss, wieviel sie den Jungs bedeutet, versuchte ich, dem Abend gelassen entgegen zu sehen. Doch schon nach 10 Minuten merkte ich, wie ich ungeduldig wurde, ihr nicht mehr zuhören mochte und Gefahr lief, Kommentare abzugeben, die ich später bereuen würde. Also zog ich die vernünftige Konsequenz und zog mit einer Freundin allein durch die Tavernen und durch das Lager der Vorstadt.

Der Abend ohne die Jungs war durchaus auch erholsam und eine weitere sehr vernünftigte Entscheidung.

Mythodea – eine emotionale Herausforderung

Die Sonne brannte den gesamten Tag erbarmungslos vom Himmel, so dass der Großteil der Stadt wie paralysiert rumgammelte und quasi nichts tat. Ein ähnliches Bild gaben die Lager „Feuer“ und „Luft“ ab, die Tiberius und Alia neugierig besuchten. Mit Rollenspiel hatte dieses Szenario allerings nicht viel zu tun – auch wenn wir uns Mühe gaben, intime zu sein. Es war alles unglaublich spannend anzusehen aber wir verblieben doch sehr in passiven Rollen und ich stellte mir zunehmend die Frage, ob das schon alles war, was mich an Abenteuern erwarten würde.  Ich hatte mir mehr Aktivität erhofft, mehr Spiel, mehr Lagerleben, mehr Freude – und war deutlich enttäuscht. Rational war mir klar, dass der fehlende Spieltrieb mit der Sommerhitze zusammen hing – dennoch zwang sich mir der Gedanke auf, dass unsere kleine Gruppe generell sehr outtime war.  Ich selbst nehme mich da nicht aus, denn ich hatte mehr Probleme als sonst, in meine Rolle zu finden. Und ich stellte mir Fragen, die ich mir besser nicht gestellt hätte:

  • Woran lag es nur, dass bei mir nicht dieselbe Freude aufkam, wie sie scheinbar alle anderen sofort verspüren, sobald sie intime sind?
  • Ist LARP überhaupt das richtige Hobby für mich?
  • Lag mein Unmut und meine Unlust daran, dass unser eigenes Lager nicht liebevoll gestaltet war sondern nur als Schlafstätte diente?
  • Würde das alles in einer anderen Spielergruppe anders sein?

Versteht mich nicht falsch! Ich liebe die Menschen mit denen ich nach Mythodea gefahren bin – aber dennoch erwischte ich mich immer wieder dabei, verstohlen zu anderen Lagergruppen zu schielen, die scheinbar alle viel mehr Spass hatten als wir. Ob das tatsächlich so ist, kann ich natürlich nicht beurteilen. The grass is always greener on the other side – nicht wahr?

Seit ich das Hobby LARP wieder aktiv betreibe (ich hatte eine Pause von etwa 6 Jahren), habe ich große Probleme in meine Rolle zu finden.  Dabei bin ich eigentlich der Meinung, einen geeigneten Charakter zu spielen. Momentan habe ich aber oft Angst, aus Unwissenheit irgendetwas falsch zu machen. Früher hatte ich diese Probleme nicht – und eigentlich ist diese Angst auch vollkommen unnötig. Rational betrachtet. Dennoch spürte ich dieses Gefühl der kompletten Hilflosigkeit auch an diesem Nachmittag wieder.

Tiberius und Alia (beziehungsweise eher Bea und der gehirnstuermer – da ich uns zu dieser Zeit nicht wirklich als intime empfand) beschlossen, mit einem Schläfchen im Schatten am Rande der Wiese den fehlenden Schlaf der letzten Nacht nachzuholen. Leider fand genau auf dieser Wiese nur wenig später ein Angriff der „Bösen“ statt. Tiberius war sofort bereit, während Alia immer noch nicht zu ihrer Existenz finden konnte, Wie gelähmt stand ich neben Tiberius, während er versuchte, einen „Verletzten“ mit Hilfe von Magie zu heilen wobei er selbst zu Boden ging. Das wäre ein schöner Zeitpunkt gewesen, selbst ins Spiel einzusteigen. Ich bevorzugte es aber, dumm und nutzlos im Weg rumzustehen. So hilflos habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Tiberius rief mir zu „Alia, LAUF!“ und das nahm ich zum Anlass, meine wertvollen Taschen zu schnappen und bedröppelt zurück in unser Lager zu schlurfen. Dort dachte ich lange darüber nach, was da gerade geschehen war, während der gehirnstuermer ein schönes Spiel hatte, das im Lazarett für ihn sogar noch fortgesetzt wurde.

Ich kam zu dem Schluss, dass es Alia wohl nie wirklich geben kann, wenn ich mich nicht deutlich intensiver mit diesem Hobby auseinandersetze. Dafür wird mir aber nie genügend Freizeit zur Verfügung stehen. Mit dieser Einsicht beschloss ich, die Woche als genau das zu betrachten, was mir von der gesamten Gruppe ständig propagiert wurde: Urlaub in Gewandung mit lieben Freunden.  Ein sehr intensives Gespräch mit dem gehirnstuermer half ebenfalls, mein Weltbild wieder gerade zu rücken und mich von meinen romantischen Vorstellungen zu verabschieden. Leider hinterließ das alles trotzdem relativ schlechte Laune.

So setzte ich mich dann gelangweilt in den Vorgarten des Jolly Rouge bis mich eine Freundin am Abend zu einem Spaziergang zum „Siegel“ einlud. Auf dem Weg dorthin wurden wir leider auch noch Opfer eines sehr schön gespielten „Überfalls“. Eine Freundin, die ebenfalls LARP-Neuling ist, beschrieb ihre Erfahrung danach so: „Getting robbed… another experience I didn’t expect to enjoy“.

Das Siegel beeindruckte mich zutiefst. Die Veranstalter hatten mitten auf die Wiese eine Art Tempel gebaut, der in der Nacht wunderbar mystisch illuminiert wurde.  Wir beschlossen, auf der Wiese Platz zu nehmen und ein wenig auszuruhen. Währendessen wurden wir mal eben – quasi in der ersten Reihe – Zeugen eines wichtigen Spielhergangs: die Geburt von vier neuen Göttern und deren Ansprache an die Siedler. Ich war nervös und kribbelig und wollte unbedingt spielen nach diesem Erlebnis. Nur wie? Ich hatte keine Idee, wie ich dieses Gefühl in den nächsten Tag retten könnte. Aber der gehirnstuermer und ich schmiedeten einen Plan:

  • An meiner Ausbildung zur Magierin arbeiten (abseits der Stadt um in die Rolle zu finden)
  • Spaziergänge durch alle Lager
  • Suche nach dem Quest-Buch oder mal eine SL ansprechen, was man zum Abenteuer beitragen könnte.

Das schien mir sehr vernünftig und nach all dem emotionalen Auf und Ab kam mir die Entspannung im Zuber und die anschliessende rauschende Geburtstagsfeier eines sehr lieben Freunds sehr recht.

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Mythodea – ein teurer Spaß

Wenn zwei gleich aussehende Isomatten im Schrank liegen und du weißt, eine davon ist kaputt… welche steckst du wohl ein? Ich jedenfalls habe die erste Nacht in Mythodea extrem unbequem quasi auf dem nackten Zeltboden geschlafen. Ich hatte ja auch antizipiert, dass mich die Sonne und eine unerträgliche Luft im Zelt viel zu früh wecken würden – aber dazu kam es leider gar nicht erst. Kleine spielende Kinder und ein Gong in deren Reichweite… das ist um 7 Uhr morgens gar keine gute Kombination.

Der Kaffee im Jolly Rouge ließ mich aber halbwegs wach werden und die Geschehnisse um mich herum wahrnehmen. Immer mehr Menschen reisten an – die Zeltlager wurden noch größer und imposanter. Auch die Zahl der normal gekleideten Menschen sank in der Stadt immer weiter ab. Bald würde das Spiel starten… die Anspannung und Vorfreude merkte man vielen Vorbeiziehenden an und ich genoss es sehr, im Jolly Rouge – direkt am Hauptplatz der Stadt – zu sitzen und diese Veränderungen zu beobachten.

Ich hatte am Vortag schon die Vermutung, daß ein Spaziergang durch die Stadt teuer werden würde… und das bewahrheitete sich auch. Während eine Freundin sich ein neues Komplettkostüm zusammenstellte, kaufte ich nur die allernötigsten Dinge:

  • Schafsfelle als Ersatz für die kaputte Isomatte
  • Eine Schreibfeder aus Glas
  • Eine Gürteltasche (Etui) für die Glasfeder (nicht, dass sie in meinen Krambeuteln kaputt geht)
  • Ein kurzes Hemd (bisher war ich anscheinend nur bei schlechtem Wetter beim LARP – die Temperaturen forderten aber deutlich leichtere Kleidung als ich sie besaß)
  • Eine neue Umhängetasche für meinen Charakter Alia, damit Lederreste, Hammer und Messer bequemer transportiert werden können.

Da ich meine Lederausrüstung gar nicht dabei hatte, diente die neue Tasche gleich einem viel wichtigerem Zweck: Aufbewahrung und ständige Griffbereitschaft von Klopapier. Die Orga hatte beschlossen, dass in den (übrigens fast immer sauberen) sanitären Anlagen kein Papier bereitgestellt wird. Also musste man selbst dafür sorgen. Ich persönlich plane meine Toilettenaufenthalte nicht so minutiös als dass ich jeweils zurück zum Zelt laufe, Papier hole, zurücklaufe, meine Geschäfte erledige, Papier zurückbringe… Lange Rede, kurzer Sinn: ich stiefelte ganze vier Tage mit mindestens einer griffbereiten Rolle Klopapier durch die Gegend und frage mich ernsthaft, wie andere Spieler dieses Problem gelöst haben.

Die Einkaufstour hatte meine Bargeldbestände drastisch dezimiert, da entgegen der Versprechungen meiner Freunde nur wenige Händler Plastikgeld annahmen. Also schnappte ich mir den gehirnstuermer und fuhr in das nächste Dorf um Geld zu holen. An zwei Banken wurde meine Karte aber abgelehnt und ich dachte „Orrrr – bitte – nicht schon wieder gesperrt“ (passiert ab und an, wenn man viel unterwegs ist und der Kreditkartenprovider der Meinung ist, die Karte wird zum Betrug missbraucht). Also ab in die nächste Stadt – einen EC-Automaten meiner Hausbank suchen. Ich war genervt, ich war still, ich hätte schreien können. Da ich aber von Natur aus ein neugieriger Mensch bin, probierte ich die Kreditkarte am hauseigenen Automaten ohne Notwenigkeit noch einmal aus – und siehe da – es funktionierte. Warum die ersten beiden Banken sie abgelehnt haben, weiss ich bis heute nicht – aber ich war beruhigt und meine Stimmung hellte sich instantan wieder drastisch auf.

Wieder zurück auf dem Gelände hatten wir das Glück, gerade in die Spielleiter-Ansprache zu stolpern. Ich glaubte, das wäre der Zeitpunkt an dem das Spiel richtig losgeht und hörte gespannt zu. Leider handelte es sich nur um die Regel-Ansprache. Alles Gesagte wurde auch schon wenige Tage zuvor per Mail an die Spieler verteilt. Laaaangweilig! Den eigentlichen Spielbeginn verpassten wir später dann sogar, weil wir es vorzogen im Zuber ein wenig Entspannung nach einem so anstrengenden Gammel- und Shopping-Tag zu suchen.

Den Abend wollten wir mit Tavernen Hopping verbringen. Geschafft haben wir genau zwei. Die erste verliessen wir direkt wieder da weder Stimmung herrschte noch leckere Drinks serviert wurden. Irgendwie blieben wir doch wieder in der Fischgräte hängen und verbrachten dort einen herrlichen Abend. Obwohl alles bereits offiziell „intime“ (also im Spiel) war, konnten wir noch nicht den richtigen Einstieg finden und so blieben unsere angeregten Gespräche größtenteils „outime“. Ich war sicher, das würde sich am nächsten Tag ändern.

 

Mythodea – Die Anreise

Endlich, endlich, endlich ging es los… Ich stand abfahrtbereit in Berlin, hatte wacklige Knie und sammelte meine Mitfahrerinnen ein. Drei Leute und ein bisschen Gepäck – das kann ja nicht so schlimm sein. Aber was so ein echtes LARP-Auto sein will, ist auch schnell überfüllt. Dabei habe ich den Großteil meiner Klamotten bereits am Sonntag auf Reisen geschickt! Trotzdem sitzen wir alle relativ bequem und es kann endlich losgehen! Unsere Fahrt wurde aber schon vor Magdeburg jäh unterbrochen – Vollsperrung wegen eines brennenden Fahrzeugs. Na das ging ja schon gut los. Wir liessen uns die Stimmung aber nicht vermiesen und reisten schlussendlich doch mit guter Laune aber erheblicher Verspätung in Brokeloh an.
Mein erster Eindruck bei der Ankunft war, dass Live Adventure eine wirklich beeidruckende Organisation auf die Beine gestellt hat. Check-In, Auto ausladen, Parken, endlich ankommen… das alles hatte eine feste Route, wurde von Ordnern unterstützt und war fast schneller erledigt als auf kleineren Veranstaltungen.

Glücklicherweise hatten Freunde unsere Zelte schon am Sonntag aufgebaut, so dass ich mich relativ schnell und ohne Stress den Abenteuern hingeben konnte. Ich staunte wie ein kleines Kind als ich den ersten kurzen Spaziergang über das Gelände wagte:

  • Überall wurden liebevoll Lager mit stimmungsvoller Deko eingerichtet
  • Die Dimensionen der Zeltstadt war unfassbar
  • Die Stände der Händler liessen mich bereits ahnen „Das wird teuer!“

Da wir bereits am Vorabend des eigentlichen Spielbeginns anreisten, waren viele Leute noch normal angezogen und vermischten sich mit den bereits Gewandeten. Das war ein groteskes Bild, das mir so bald nicht aus dem Kopf gehen wird.
Den Abend verbrachten wir gemütlich mit lieben Freunden im Vorgarten des „Jolly Rouge“ – das großartigste Badehaus der gesamten Veranstaltung. Ich wusste bereits aus Erzählungen, dass dieser Vorgarten die „base of operation“ werden würde. Das war einerseits dem stimmungsvollen Ambiente aber hauptsächlich dem Fakt geschuldet, dass das Jolly Rouge von gehirnstuermer-Freunden betrieben wird. Ich glaube es lag vor allem auch daran, dass wir tatsächlich für jeden Abend einen der heißbegehrten Zubertermine ergattern konnten. So erlebte ich schon am ersten Abend die unglaublich wohltuende Entspannung des warmen Wassers, leckeren Getränken, Weintrauben und Rücken schrubben – das alles geteilt mit bis zu fünf guten Freunden. Zum gemeinsamen zubern sollte man wirklich gut befreundet sein – es hilft auch, in der DDR mit FKK-Kultur aufgewachsen zu sein.  Die Crew des Jolly Rouge lässt im Übrigen auch nicht den geringsten Zweifel darüber aufkommen, dass die Stunde im Zuber ausschliesslich für Entspannung, nette Gespräche und maximal eine Fußmassage gedacht ist.

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Sauber und tiefenentspannt verbrachten wir den Rest der Nacht dann tatsächlich auch schon in Gewandung und besuchten eine der beeindruckensten Tavernen des Geländes – die „Fischgräte“  wo wir zu vorgerückter Stunde auch mit den letzten Gästen rausgefegt wurden – Achievment unlocked! (inspired by gehirnstuermer)