„Vor 10 Jahren mochte ich dich nicht, jetzt schon“

In einer Bierlaune gab ich vor einiger Zeit genau diese – eigentlich völlig belanglose – Information an eine Herzfreundin weiter. Was ich mir dabei gedacht habe? Nichts! Die Herzfreundin machte sich aber Gedanken in ihrem Blog, die mich tief bewegten: http://kleinekramkiste.de/2013/10/11/fragzeichen/

  1. Hat sie absolut recht: Menschen, die mir nicht gut tun, haben nichts mehr in meinem Leben verloren. Diesen Grundsatz habe ich bereits vor einiger Zeit erfolgreich umgesetzt.
  2. Frage ich mich jetzt, wie es dazu kam, dass wir mittlerweile so gute Freundinnen wurden

Vor etwa 10 Jahren lernte ich ein paar Menschen kennen, die ich auf Grund ihres Verhaltens nicht sehr schätzte. Der Kontakt verlief sich auch extrem schnell wieder und ich gab das gemeinsame Hobby auf. Das hatte zur Folge, dass ich auch sehr nette Menschen nicht mehr traf. Dank Twitter und einer unglaublich langweiligen Party traf ich jemanden wieder, mit dem ich heute den Großteil meiner Freizeit verbringe. Aufmerksame Leser meines Blogs werden schon ahnen, dass es sich hierbei nur um den gehirnstürmer handeln kann. Durch ihn entdeckte ich auch das Hobby „Larp“ wieder, was zwangsläufig dazu führte, dass ich viele Menschen von damals wieder traf. Wer mich kennt, weiß, dass ich offen bin, neue Menschen kennen zu lernen. Aber hat jemand mein Vertrauen und meine Freundschaft verspielt, führt uns so schnell kein Weg wieder zusammen.
So blieb es dann auch bei einer etwas eisigen Stimmung bei diversen Veranstaltungen. Ich traf in diesem Zuge auch die heutige Herzfreundin wieder. Irgendwas war aber anders. Ich konnte sie nicht, wie ich es gern bei anderen tat, einfach ignorieren, weil der gehirnstürmer sie dafür viel zu lieb hat. Nur wenige Treffen später stellte ich erfreut fest, dass sie nicht mehr die gleiche Person ist, die ich vor 10 Jahren kennenlernte. Im Gegenteil: warmherzig, oft gut gelaunt, schonungslos ehrlich – um nur einige wenige Eigenschaften aufzuzählen, die ich heute so sehr an ihr schätze.

Jetzt stelle ich mir aber folgende Fragen:

  • Hätte ich ihre neuen Seiten kennengelernt, wäre ich durch unseren gemeinsamen Freund nicht quasi gezwungen worden?
  • Bilde ich mir zu schnell eine Meinung über Menschen?
  • Sollte ich Menschen in meiner Umgebung mehr Chancen geben – auch wenn sie keinen Platz mehr in meinem Leben verdient hätten?

Menschen ändern sich… Das ist keine Neuigkeit für mich – und doch war ich immer extrem verschlossen, wenn Menschen mich einmal dazu gebracht haben, dass ich sie nicht mehr mag – oder noch schlimmer: dass sie mir gleichgültig wurden. Mich so weit zu bringen braucht schon sehr viel Ausdauer oder wirklich, wirklich mieses und hinterhältiges Verhalten. Aber wenn es soweit ist, bin ich festgefahren. Sollte ich das vielleicht ändern? Eine weitere Chance vergeben? Menschen ändern sich… Und im Fälle meiner Herzfreundin bin ich sehr froh, dass sie diese Chance erhalten hat. Ich bin froh, dass ich über meinen eigenen Schatten gesprungen bin. Vielleicht kann ich das für andere Menschen in meiner Umgebung auch machen… Und vielleicht gehen dafür nicht erst sieben Jahre ins Land.