100x hab ick Berlin verflucht…

„Zufällig“ habe ich gestern ein Lied meiner Kindheit wieder gehört… Ok, ja, ich habe in einem Anfall von Nostalgie das ganze Album auf meinen „Auto-Mucke-USB-Stick“ geladen.

Na, jedenfalls war da dieses 30 Jahre alte Lied von Helga Hahnemann… und ich konnte es bis zum letzten Textfitzelchen mitsingen. Gruselig.

Worauf ich aber eigentlich hinaus will ist: das Lied „100x Berlin“ ist heute noch genauso aktuell wie damals. Erschreckend.

Hat sich in all den Jahren gar nicht so viel geändert?

Zum Beweis ein paar Zeilen aus den Lyrics:

  • „Wir sind allet janz normale Verrückte.“
  • „Aber nicht nur antike Statuten haben wa. Nee, och haufenweise Touristen Von übern großen Teich und hintern Mond“
  • „Von wegen, wir Berlinerinnen sind schnüppe, wir könn allet vertrajen, bloß keene Wiederworte.“
  • „Die Meister von Jaspedal sind unsre Taxifahrer. Deshalb werden se selten erwischt – weder vonne Radarfallen noch vonne Fahrjäste“ – Sorry Sash 😉
  • „Alle sagn, icke und wir haben ne große Schnauze. Mensch die brauchen wa doch och – schließlich tragn wa unser großes Herz uff de Zunge“

Und dann natürlich der Refrain…

„Hundert mal hab ick Berlin verflucht
Hundert mal weit weg mein Glück jesucht
Hundert mal jeheult, Du machst mich krank
Hundert mal jebetet, Jott sei Dank
Hundert mal jesacht, mit Dir is Schluß
Hundert mal kam ick von dir nich los
Hundert Pillen haun dajegn nich hin,
Dit sitzt zu tief, Dit sitzt hier drin“

Da ich schon oft temporär in anderen Städten gelebt habe, kann ich diese Zeilen nur unterschreiben. Gegen Berlin ist einfach kein Kraut gewachsen.

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Ein Sommer in Berlin

Tja – das war ja dann nichts mit einem Sommer in Berlin. Kaum war ich da, bin ich auch schon wieder weg.
Ich habe meinen Job anscheinend nicht ganz schlecht gemacht, so dass mein altes Projekt in Ratingen fragte, ob ich wieder zurück komme. Das mache ich gerne – und kehre damit wieder zu meinem gewohnten Alltag zurück.

  • Zwei Wohnungen
  • Wochentags viel arbeiten
  • Am Wochenende das Privatleben in vollen Zügen auskosten
  • Montags und Freitags in vollen Zügen sitzen

Und ja, ich freue mich darüber. Die zwei Monate in Berlin waren schön – aber ich ich glaube, ich brauche diese komplette Trennung von Arbeit und Freizeit mehr als andere Menschen. Ein Sommer in Berlin! Das war ein hübscher Traum.  Und genau den werde ich mit meinen Herzmenschen auch erleben… wenn auch nur am Wochenende.
Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen. Ich wäre bereit, und ihr?

Hier sein ist genauso wie weg sein

Seit einem Monat bin ich jetzt in Berlin. Also… ich meine so richtig, nicht nur am Wochenende – quasi jeden Tag. Zeit für ein Résumé.

Ich hatte so viel vor!

  • Mehr Zeit mit Lieblingsmenschen verbringen
  • Zu der einen oder anderen Web 2.0 Lesung gehen
  • Inlineskaten im Friedrichshain
  • Badminton spielen
  • Schwimmen gehen
  • Zum Friseur gehen
  • Zum Zahnarzt gehen

Gemacht habe ich davon nicht viel. Lediglich den Friseurtermin habe ich wahrgenommen. Ansonsten verbringe ich meine Abende in Berlin daheim auf der Couch – ganz genauso wie in den diversen Städten in denen ich arbeitete. Dort war ich sogar aktiver, ging zum Sport, besuchte liebe Freunde, ließ mich zum Abendessen einladen und suchte den einen oder anderen Geocache. Mittlerweile würde ich mich über einen Einsatz außerhalb Berlins sogar wieder freuen.

Warum ist das so? Warum findet mein Leben trotz allem nur am Wochenende statt?

Vielleicht ist die Annahme, dass mehr passiert, wenn man unter der Woche anwesend ist, einfach falsch. Oder meine Mitmenschen haben sich einfach noch nicht daran gewöhnt, dass man mich jetzt auch von Montag bis Freitag treffen kann.

Darum stelle ich mal die Frage in den Raum: Wie ist das bei euch? Unternehmt ihr etwas unter der Woche? Oder steckt ihr alle Energie in die Arbeit und lebt dann am Wochenende?

Unter einer gesunden Work-Life-Balance habe ich mir ja irgendwie etwas anderes vorgestellt. Irgendwas muss ich ändern – so lange ich noch in Berlin bin.

Eine Liebeserklärung an Berlin

Ich bin beruflich viel unterwegs. Ich lebte schon dauerhaft in Zürich, Genf, Wolfsburg, Bridgewater (NY), Erlangen und Ratingen. Wobei „dauerhaft“ sich bei mir maximal auf ein Jahr beläuft (dann überkommt mich die Langeweile). In den meisten Projekten versuche ich, wenigstens am Wochenende nach Hause zu fahren. Und „nach Hause“… das ist Berlin.

Die schönste Stadt der Welt.

Oft höre ich die Frage „Ist dir das nicht zu stressig? Jede Woche mehrere Stunden fliegen oder bahnfahren für ein paar Stunden Berlin?“ Meine Antwort ist immer und ohne Ausnahme „Nein, denn Berlin ist es wert.“

Gründe gibt es tausende… heute möchte ich euch drei davon nennen, die mir in den letzten Monaten ganz besonders aufgefallen sind:

  • In Berlin funktioniert das öffentliche Leben. Du kannst mitten in der Nacht oder am Sonntag noch einkaufen gehen. Restaurants machen nicht um 21 Uhr zu und feiern kann man in der tollsten Stadt der Welt sowieso rund um die Uhr.
  • In Berlin gibt es einen ÖPNV der nicht komplett furchtbar organisiert ist. Ja ja, Berliner schimpfen auf die S-Bahn und überhaupt hat ja ständig alles Verspätung. Aber, liebe Berliner, habt ihr mal versucht in NRW oder Franken mit dem Bus von A nach B zu fahren? Vielleicht noch nach 22 Uhr? Ihr ahnt ja gar nicht, wie gut wir es mit BVG und S-Bahn haben.
  • In Berlin kannst du so sein wie du willst. Dick, dünn, groß, klein, hipp, langweilig. Es ist egal. Niemand kümmert sich um dein „anders“ oder „gleich sein“. Es gibt in dieser großartigen Stadt garantiert Menschen, die dich so lieben wie du bist.

Berlin ist eine Reise wert, heisst es ja. Für mich ist Berlin sogar jede Woche 10 Stunden ICE fahren wert.