Du sollst mich lieb haben!

In den meisten Fällen überlege ich mir sehr genau, was ich in meinem Twitter Account so von mir gebe, auch wenn ich mein Geschreibsel gern als „Gedankenmüll“ bezeichne. Vor Kurzem aber liess ich mich – meiner besten Freundin gegenüber – zu einer spontanen Reply hinreissen und schrieb ihr in etwa „Du sollst mich immer lieb haben!“. Der Zusammenhang spielt in der Tat keine große Rolle und im Moment des Schreibens und Sendens habe ich mir auch gar nicht viel dabei gedacht. Erst als ich ihre Antwort bekam, wurde mir klar, was ich da verlangt hatte. Natürlich hat sie mich lieb. Sonst wäre wir ja keine Freundinnen – schon gar nicht seit etwa 13 Jahren.

Aber darf man als erwachsener Mensch die Forderung „Hab mich lieb“ aussprechen? Auweia… das darf man natürlich nicht!

  • Man darf darum bitten, lieb gehabt zu werden.
  • Man darf selbst lieb haben.
  • Aber man darf Zuneigung nicht einfordern oder gar erzwingen wollen.

Wenn mich ein Mensch nicht lieb hat (so wie ich bin) – dann hilft auch kein Fordern, kein Drohen, kein Bitten, Flehen oder Hoffen. Wird schon Gründe haben…
Alles was bleibt ist die Selbstreflektion, warum das Gegenüber nicht meinem Wunsch entspricht, mich lieb zu haben. Oft finde ich banale Antworten, mit denen ich sehr gut leben kann. Manchmal tappe ich aber im Dunkeln und muss einfach die Situation akzeptieren. Nicht immer einfach. Ich mag es, gemocht zu werden.

Eine meiner größten Ängste ist es, dass sich Menschen, die ich mag oder sogar liebe einfach von mir abwenden. Diese Angst hat mich schon so viele falsche Wege gehen lassen, dass es selbst mir unheimlich ist. Einer dieser falschen Wege ist sicherlich auch, Zuneigung offen einzufordern.

Daher möchte ich mich hier und jetzt bei meiner Liebsten entschuldigen: War ein blöder Spruch, hat in den Kontext gepasst, war aber nicht so gemeint, wie ich es im nachhinein interpretiert habe. Ich hab dich lieb! Ohne Wenn und Aber ❤

Gab es die 1990er wirklich? Ein Rückblick mit Ausblick

Drüben bei Facebook fragte meine Jugendfreundin Christine heute „Sind wir uns eigentlich ganz sicher, dass es die 1990er Jahre wirklich gegeben hat? Und falls ja, warum erinnere ich mich dann an so gut wie gar nichts mehr…“

Ja es gab sie, da bin ich mir ziemlich sicher – denn ich erinnere mich noch sehr gut daran. Positiv wie auch negativ. Eigentlich sogar so negativ, dass ich die Freundin um ihre Gedächtnislücke ein wenig beneide.

In den 1990ern war ich Teenager – und zwar war ein furchtbarer:

  • Das erste Mal verliebt… natürlich in den tollsten und schönsten Jungen der Gegend. Für ihn war und blieb ich aber die Nachbarin mit der man als Kind tolle Buden gebaut hat, auf Bäume kletterte und diversen Unsinn anstellte.
  • Mein Drang „frei“ und „unabhängig“ in meinen Gedanken und in meinem Tun zu sein war überwältigend. Sehr zum Ärger meiner Eltern. Es gab ständig Streit. Dafür kann ich mich gar nicht genug bei meiner Familie entschuldigen.
  • Auf der Suche nach meiner eigenen Persönlichkeit verlief ich mich einige Male ganz mächtig in den verschiedensten Ecken menschlichen Daseins.
  • Ich war anders. Außenseiter par excellence. Das störte mich aber nur selten, denn ich wollte mich partout nicht den verschiedenen Gruppenzwängen aussetzen, um „nur“ dazu zu gehören.
  • Die zweite Hälfte der 90er verbrachte ich größtenteils mit meiner damaligen großen Liebe. Ein junger Mann, der ebenfalls nicht cool und hip war. Wir verstanden uns meistens prächtig und glaubten an das große Glück. Eine solche enge und langanhaltende Bindung im Teenageralter sehe ich heute als extrem schwierig an. Meiner gesamten Persönlichkeitsentwicklung, meinem Entdeckerdrang und besonders meiner sekundären Sozialisation habe ich damit jedenfalls keinen all zu großen Gefallen getan.

All das führte dazu, dass ich mir schon früh ein Selbstbildnis schuf, das auf Bestätigung von aussen angewiesen war und die eigene Rebellion gegen dieses Bild von mir machte mich zu einem unglaublich anstrengenden Teenager – sowohl für die Familie als auch für Freunde.

Aber ja, ich hatte Freunde. Sehr gute sogar. Wenn auch nur wenige. Die anfangs erwähnte Jugendfreundin Christine gehörte in jedem Fall dazu. Mit diesen Freunden erlebte ich auch viele wunderbare Momente, die es wert sind, sich zu erinnern. Wir teilten das schwere Los des „Erwachsenwerdens“, lachten und weinten gemeinsam. In den späten 1990ern sorgte ich mit meinem Verhalten aber leider auch dafür, dass sich in ein paar Fällen „Freunde“ (aka Menschen, die ich dafür hielt) von mir abwandten. Die Schule wurde für mich zu einem sozialen Pflichtprogramm. So gern ich auch lernte – ich hasste es dort hin zu gehen. Die Kür fand dann am Nachmittag statt – wenn ich so sein durfte wie ich war, wenn ich meine wahren Freunde treffen konnte.

Was genau stellt man mit einer solch verkorksten Jugend an? Man lässt sie einfach hinter sich, vergisst sie, meidet alles und jeden was die Erinnerung an diese Zeit aufleben lassen könnte. Geht ganz einfach – habe ich jahrelang so gemacht.

Ich kann weder Zeitpunkt noch Ursache genau benennen – aber irgendwann blickte ich nicht mehr mit schlechten Gefühlen in die 1990er zurück. Heute sehe ich mir sogar gern Fotos aus dieser Zeit an – mal wehleidig, mal schmunzelnd. Alles was ich damals erlebte – mein falsches und mein richtiges Handeln – machte mich zu dem Menschen, der ich heute bin. Es war ein extrem holpriger Weg. Aber ich glaube so ganz und gar falsch war er dann doch nicht.

PS: Ich glaube, ich könnte mittlerweile sogar an ein Klassentreffen denken, ohne dass sich mir der Magen umdreht. Viel lieber würde ich aber all die Menschen wieder treffen wollen, die ich auch heute noch – rückblickend – als echte Freunde bezeichnen würde, auch wenn sich unsere Wege irgendwann trennten.

„Vor 10 Jahren mochte ich dich nicht, jetzt schon“

In einer Bierlaune gab ich vor einiger Zeit genau diese – eigentlich völlig belanglose – Information an eine Herzfreundin weiter. Was ich mir dabei gedacht habe? Nichts! Die Herzfreundin machte sich aber Gedanken in ihrem Blog, die mich tief bewegten: http://kleinekramkiste.de/2013/10/11/fragzeichen/

  1. Hat sie absolut recht: Menschen, die mir nicht gut tun, haben nichts mehr in meinem Leben verloren. Diesen Grundsatz habe ich bereits vor einiger Zeit erfolgreich umgesetzt.
  2. Frage ich mich jetzt, wie es dazu kam, dass wir mittlerweile so gute Freundinnen wurden

Vor etwa 10 Jahren lernte ich ein paar Menschen kennen, die ich auf Grund ihres Verhaltens nicht sehr schätzte. Der Kontakt verlief sich auch extrem schnell wieder und ich gab das gemeinsame Hobby auf. Das hatte zur Folge, dass ich auch sehr nette Menschen nicht mehr traf. Dank Twitter und einer unglaublich langweiligen Party traf ich jemanden wieder, mit dem ich heute den Großteil meiner Freizeit verbringe. Aufmerksame Leser meines Blogs werden schon ahnen, dass es sich hierbei nur um den gehirnstürmer handeln kann. Durch ihn entdeckte ich auch das Hobby „Larp“ wieder, was zwangsläufig dazu führte, dass ich viele Menschen von damals wieder traf. Wer mich kennt, weiß, dass ich offen bin, neue Menschen kennen zu lernen. Aber hat jemand mein Vertrauen und meine Freundschaft verspielt, führt uns so schnell kein Weg wieder zusammen.
So blieb es dann auch bei einer etwas eisigen Stimmung bei diversen Veranstaltungen. Ich traf in diesem Zuge auch die heutige Herzfreundin wieder. Irgendwas war aber anders. Ich konnte sie nicht, wie ich es gern bei anderen tat, einfach ignorieren, weil der gehirnstürmer sie dafür viel zu lieb hat. Nur wenige Treffen später stellte ich erfreut fest, dass sie nicht mehr die gleiche Person ist, die ich vor 10 Jahren kennenlernte. Im Gegenteil: warmherzig, oft gut gelaunt, schonungslos ehrlich – um nur einige wenige Eigenschaften aufzuzählen, die ich heute so sehr an ihr schätze.

Jetzt stelle ich mir aber folgende Fragen:

  • Hätte ich ihre neuen Seiten kennengelernt, wäre ich durch unseren gemeinsamen Freund nicht quasi gezwungen worden?
  • Bilde ich mir zu schnell eine Meinung über Menschen?
  • Sollte ich Menschen in meiner Umgebung mehr Chancen geben – auch wenn sie keinen Platz mehr in meinem Leben verdient hätten?

Menschen ändern sich… Das ist keine Neuigkeit für mich – und doch war ich immer extrem verschlossen, wenn Menschen mich einmal dazu gebracht haben, dass ich sie nicht mehr mag – oder noch schlimmer: dass sie mir gleichgültig wurden. Mich so weit zu bringen braucht schon sehr viel Ausdauer oder wirklich, wirklich mieses und hinterhältiges Verhalten. Aber wenn es soweit ist, bin ich festgefahren. Sollte ich das vielleicht ändern? Eine weitere Chance vergeben? Menschen ändern sich… Und im Fälle meiner Herzfreundin bin ich sehr froh, dass sie diese Chance erhalten hat. Ich bin froh, dass ich über meinen eigenen Schatten gesprungen bin. Vielleicht kann ich das für andere Menschen in meiner Umgebung auch machen… Und vielleicht gehen dafür nicht erst sieben Jahre ins Land.

Frauen sind zur Freundschaft nicht fähig

Ihr kennt mich. Mein Leben orientiert sich größtenteils an zwei Dimensionen: Freundschaft und Arbeit.
Während letzteres in den meisten Phasen meines Lebens ganz ordentlich und ohne all zu große Stolpersteine verläuft, macht mir das Thema „Freundschaft“ immer mal wieder zu schaffen. Dumme Verhaltensweisen ziehen sich wie rote Fäden durch mein Leben:

  • Ich vergraule Menschen schon in frühen Stadien des Kennenlernens, weil ich mich entweder zu selten melde und nur wenig Zeit habe oder aber deutlich zu viel Zeit investieren möchte
  • Ich bin naiv und glaube an eine ehrliche und tiefe Freundschaft zwischen Männern und Frauen (jaja – diese alte Diskussion sparen wir uns an dieser Stelle bitte)
  • Ich vertraue Menschen zu schnell, die es leider nicht verdienen, meine Seele derart zu berühren
  • Ich neige zu Eifersucht (hier ist nicht die romantische Eifersucht gemeint, sondern der Neid, dass Freunde mehr und qualitativ hochwertigere Zeit mit anderen Menschen verbringen als mit mir)

Das alles führte bereits zu vielen Nächten in denen die Gedanken Karussell fahren. Oft lag ich totmüde stundenlang wach, dachte über die eine oder andere zerbrochene Freundschaft nach – weinte mich dann zu häufig in den Schlaf (das macht doofe, hässliche und rote Augenringe am nächsten Morgen. Tut das nicht.)

Die letzten Wochen gaben mir den einen oder anderen Anlass, mal wieder über mein eigenes Verhalten und Freundschaften nachzudenken.

  • Ich fühlte mich (vollkommen ungerechtfertigt!) vernachlässigt – und das auch noch von zwei unabhängigen Seiten
  • Ich hatte Angst, ein Mensch den ich in sehr kurzer Zeit ins Herz geschlossen habe, würde Berlin – ja sogar Deutschland – bald wieder verlassen (nachdem das zwei andere liebe Menschen bereits getan haben)
  • Ein ehemaliger Freund, antwortete nicht auf meinen Versuch, per Geburtstagsgruß den Kontakt wiederherzustellen

Eingelullt in all diese düsteren Gedanken hörte ich gestern in einem Podcast ein historisches Zitat, das die Lösung all meiner Sorgen zu sein scheint: „Die geistigen Gaben der Frauen reichen gemeinhin nicht zu dem Gedankenaustausch und Umgang hin, noch scheint ihre Seele stark genug, um die Spannung eines so fest geknüpften und so dauerhaften Bandes zu ertragen.“ (Michel de Montaigne, Philosoph 1533-1592)

Ich als Frau bin also gar nicht zu Freundschaft fähig! Das ist eine Erleichterung sondergleichen. Wenn der Herr Montaigne recht hat, muss ich mir ja gar keine Gedanken mehr machen. Phuuuu ;o)

Dumm nur, dass ich in einer etwas moderneren Welt lebe und der Meinung bin, dass meine geistigen Gaben ausreichend sind und meine Seele stark genug ist, um das Band der Freundschaft zu ertragen. Ich muss nur noch lernen, sorgfältiger mit der Ressource „Freund“ umzugehen.

PS: An dieser Stelle möchte ich allen Herzmenschen danken, die über diverse Kommunikationskanäle nach meinem Wohlbefinden fragten, als ich mal wieder tief in einer solchen „Mimimi“-Phase steckte. Mehr als „Mimimi“ können diese Phasen eigentlich auch nicht sein… denn mir geht es mehr als gut, solange ich Menschen wie euch habe ❤

Hier sein ist genauso wie weg sein

Seit einem Monat bin ich jetzt in Berlin. Also… ich meine so richtig, nicht nur am Wochenende – quasi jeden Tag. Zeit für ein Résumé.

Ich hatte so viel vor!

  • Mehr Zeit mit Lieblingsmenschen verbringen
  • Zu der einen oder anderen Web 2.0 Lesung gehen
  • Inlineskaten im Friedrichshain
  • Badminton spielen
  • Schwimmen gehen
  • Zum Friseur gehen
  • Zum Zahnarzt gehen

Gemacht habe ich davon nicht viel. Lediglich den Friseurtermin habe ich wahrgenommen. Ansonsten verbringe ich meine Abende in Berlin daheim auf der Couch – ganz genauso wie in den diversen Städten in denen ich arbeitete. Dort war ich sogar aktiver, ging zum Sport, besuchte liebe Freunde, ließ mich zum Abendessen einladen und suchte den einen oder anderen Geocache. Mittlerweile würde ich mich über einen Einsatz außerhalb Berlins sogar wieder freuen.

Warum ist das so? Warum findet mein Leben trotz allem nur am Wochenende statt?

Vielleicht ist die Annahme, dass mehr passiert, wenn man unter der Woche anwesend ist, einfach falsch. Oder meine Mitmenschen haben sich einfach noch nicht daran gewöhnt, dass man mich jetzt auch von Montag bis Freitag treffen kann.

Darum stelle ich mal die Frage in den Raum: Wie ist das bei euch? Unternehmt ihr etwas unter der Woche? Oder steckt ihr alle Energie in die Arbeit und lebt dann am Wochenende?

Unter einer gesunden Work-Life-Balance habe ich mir ja irgendwie etwas anderes vorgestellt. Irgendwas muss ich ändern – so lange ich noch in Berlin bin.

Erwachsen werden? Ich doch nicht!

Seit einiger Zeit gehöre ich schon der Ü30-Fraktion an und irgendwie hinke ich jeglichem Zeitplan hinterher, den ich jemals im Kopf hatte.

  • Die Karriere läuft zwar hervorragend momentan – aber doch nicht ganz so, wie ich sie mir mit Anfang 20 ausgemalt habe. Der Plan war, mit spätestens 30 einen Teamleiterposten zu besetzen. Heute arbeite ich projektweise in unterschiedlichsten Aufgaben- und Verantwortungsleveln. Ich bin permanent in Deutschland unterwegs, arbeitete bereits in der Schweiz und den USA, habe aber immer noch nicht das „senior“ in meinem Beratertitel.  Und ich liebe es (zumindest meistens)
  • Meine Wohnsituation ist ebenfalls weit entfernt von meinen jugendlichen Vorstellungen. Der Plan war, bis 30 zumindest mit dem Hausbau angefangen zu haben. Idealerweise in einem Randgebiet Berlins mit komfortablem S-Bahn-Anschluss und einem kleinen Garten um einen Grill aufstellen und mit Freunden feiern zu können. Die Realität gleich heute aber doch mehr einem studentischen Lebensstil. Ich nenne noch immer die kleine 2-Zimmer-Wohnung im Prenzlauerberg mein Domizil und die Couch im Wohnzimmer wird regelmässig von liebsten Besuchern belegt. Aber ich liebe es (zum Grillen kann ich ja jederzeit meine liebste Freundin besuchen).
  • Die Familienplanung habe ich schon vor einiger Zeit revidiert und komplett über Bord geworfen. Der jugendliche Leichtsinn ließ mich von einer kleinen Familie mit 2 Kindern träumen. Mit 35 wäre ich eine noch junge Mutter gewesen, die voll im Leben steht und trotzdem Karriere macht (siehe Teamleitungsposten). Stattdessen lade ich heute meinen Neffen (später natürlich auch meine Nichte) zu Ausflügen z.B. ins Disneyland nach Paris ein und investiere unglaublich gern viel Geld und Zeit in meine geliebten Patenkinder. Ich bin heute der felsenfesten Überzeugung, dass ich selbst gar nicht in der Lage wäre, so gelungenen Nachwuchs zu produzieren wie es meine Schwester und meine liebste Freundin taten. Und ich liebe es, so wie es ist!

Das alles hat wenig mit meiner Vorstellung eines erwachsenen Menschen zu tun und mein Umfeld macht es mir nicht leicht, mein Leben so zu leben, wie es aktuell nun mal ist. Immer wieder höre ich Sätze wie „Ach, das mit den Kindern wird schon noch.“ oder „So eine tolle Einbauküche wirst du dir bestimmt auch bald kaufen.“ Nein! All das will ich doch gar nicht. Ich will reisen, ich will unabhängig sein, ich will tun und lassen können, was mir gerade passt.

Ich frage mich, warum ich damals diese Pläne überhaupt geschmiedet habe – ohne zu wissen, was das Leben für mich bereithalten wird. Ob ich am Ende wohl bereuen werde, diesen – meinen – Weg gegangen zu sein? Oder werde ich voller Freude an spontane Wochenenden in Vergügungsparks und große spannende Reisen zurückdenken… möglichst mit dem wohligen Gefühl, alles richtig gemacht zu haben?

Ein Sinnspruch, den ich letztens auf Facebook las, bestärkt mich darin, die jugendlichen Pläne endgültig ad acta zu legen und einfach mein Leben zu leben:
„What screws us up most in life is the picture in our head of how it is supposed to be.“

Wohin geht die Reise?

Wieder ist ein Jahr um, wieder verlasse ich eine Stadt. Dieses Muster zieht sich nun schon seit einigen Jahren durch mein Leben wie ein roter Faden. Irgendwie mag ich es ja sehr gerne, ständig etwas Neues zu lernen – eine neue Stadt, ein neues Projekt, neue Kollegen. Das ist aufregend und spannend.
Aber ich frage mich immer öfter, wann mir das alles zu viel werden wird.

  • Wann werde ich zu alt für diese Art Job sein?
  • Werde ich irgendwann wirklich sesshaft sein wollen?
  • Ab wann wird mir fliegen oder bahnfahren zu stressig sein?

Viele meiner Mitmenschen (insbesondere die Familie) scheinen zu glauben, dass mir diese Art zu arbeiten keinen Spass machen würde. Oft höre ich Sätze wie „Vielleicht kannst du ja irgendwann komplett in Berlin arbeiten.“ oder „Dann hat das Reisen ja bald ein Ende, wie schön.“

Nein – nicht schön.

Ich habe sogar ein wenig Angst davor. In mir herrscht ein steter Drang zu Veränderung und das kann ich derzeit wunderbar im Beruf ausleben. Es sieht aber ganz danach aus, dass ich zukünftig tatsächlich dauerhaft in Berlin arbeiten würde… Natürlich freue ich mich sehr darauf, viel mehr Zeit mit Herzmenschen verbringen zu dürfen aber es quälen mich auch bohrende Fragen:

  • Was passiert wenn mir das Projekt in einem Jahr langweilig wird?
  • Werde ich mein Fernweh in den Griff bekommen?
  • Kann ich in heimischer Umgebung genauso viel Energie in meine Arbeit stecken wie in der Ferne?

In Zeiten wie diesen, stehe ich immer ein wenig neben mir und kann mich selbst nicht finden. Das Wort „Sabatical“ geistert schon seit geraumer Zeit durch meinen Kopf… Auch wenn ich eine solche Auszeit nicht im eigentlichen religiösen Sinne nutzen würde, finde ich die Idee doch sehr charmant. Raus aus dem Trott für ein paar Wochen, etwas Sinnvolles tun, Menschen helfen, die nicht so viel Glück im Leben haben wie ich.

Dieses Ziel behalte ich mal im Auge.