Und plötzlich schunkelte ich mit

Der Berliner an sich mag keinen Karneval. Die Berlinerin auch nicht…

  • Pünktliche und verordnete Gruppenfröhlichkeit
  • Dröge Witze auf den Sitzungen
  • Ein Umzug der Selbstbeweihräucherung von Karnevalsvereinen
  • Überall betrunkene Leute
  • Was erstaunlich ist, da es nur dünnes „Bier“ in winzigen Gläsern gibt

Muss man nicht mitmachen… kann man aber. Und ich wollte dieses Treiben erleben. Einmal – schauen, wie das so ist. Verdammte Neugier!

Wie gut, dass der Andy jeden Mist mitmacht… also haben wir uns äußerst praktische und unglaublich süße Panda-Kostüme besorgt (natürlich bei Maskworld) und sind mal eben nach Köln gefahren.

So. 07.02.2016

Roadtrip – frühes Aufstehen war angesagt – schließlich trennten uns etwa 6 Stunden Autofahrt von einem kleinen verschlafenen Dorf in der Nähe von Köln. In Rommerskirchen sollte uns das erste bisschen Karneval erwarten. Ein lokaler Umzug (Veedelszug) – natürlich nur echt erlebbar, wenn man gute Freunde hat, die da auch wohnen. Von liebevoll gestalteten Wagen – meist von Traktoren gezogen – wurden Kamelle und auch der eine oder andere Kurze geworfen. Die Kinder hatten definitiv ihren Spaß – und wir irgendwie auch. Ich glaube aber, das lag vor allem daran, dass meine Freunde so gut für uns sorgten und wir uns nicht so verloren vorkamen, wie ich es befürchtet hatte. Noch war das ganze Karnevalstreiben irgendwie befremdlich… lustig aber doch seltsam fremd.

Den Abend verbrachten wir dann schon in Köln (keine Bange – Andy hat einfach nichts zu trinken bekommen und musste dann den Rest fahren)

Zum schlafen gehen war es aber noch deutlich zu früh… also zogen wir noch ein wenig um die Ehrenfelder Häuser und fanden dann nach langem Hin- und Her die Moselstube, in der schon ordentlich Party angesagt war. Drinnen kamen wir dann das erste Mal mit kölschem Liedgut in Kontakt und drückten uns lieber in einer der Ecken rum statt im Getümmel mitzutanzen. Erstmal beobachten das Ganze. Erstaunlich fanden wir, dass das Publikum sehr gemischt war. Von ganz jungen Menschen – die wohl grade mal so Bier trinken dürfen – bis hin zum Rentner feierten alle ausgelassen miteinander. Irgendwann wurde es dann aber doch sehr voll und wir beschlossen, weiter zu ziehen und fanden auch eine sehr nette Kneipe mit witzigen Gästen und irgendwie wollte auch niemand Geld für Kölsch von uns nehmen. Jep… Kaum sind wir drei Stunden in Köln, haben wir schon die erste Privatparty gecrasht. Unabsichtlich natürlich. Wir entschuldigten uns so eloquent wie es nur ging beim Gastgeber und machten uns schnell auf die Socken.

Mo. 08.02.2016

Düsseldorf – abgesagt, Mainz – abgesagt… sind wir etwa 600km ganz umsonst gefahren? Würde der Kölner Rosenmontagsumzug ebenfalls einer unsicheren Wetterlage mit drohendem Sturm und Gewitter zum Opfer fallen? Nein! Die Kölner specken einfach den Umzug ab. Keine großen Aufbauten auf den Wagen und keine Pferde, so dass die Gefahren durch etwaige starke Böen nicht mehr gegeben waren.

Also machten wir uns frohen Mutes auf in die Südstadt. Laut mobiler Webseite der Stadt Köln gibt es dort ein paar Eckchen, wo das Gedrängel nicht ganz so groß ist. Und tatsächlich ergatterten wir einen Platz in erster Reihe und bestaunten so den Kölner Rosenmontagsumzug. Ein paar ungeordnete Gedanken dazu:

  • Politische Aussagen waren eher wenig zu sehen – wahrscheinlich wegen der fehlenden Aufbauten. Das war schade.
  • Die ewigen Rufe (fast schon an Bettelei erinnernd) nach „KAMELLE!!!“ gingen mir dezent auf die Nerven.
  • Ich bekam ein Strüssjer (Blümchen) – das war so süß!
  • Es gab erstaunlich wenig Musik von den Wagen – dafür aber um so mehr von den fantastischen Kapellen
  • Andy: „Weder Fotos noch Übertragungen im Fernsehen konnten mich auf die unvergleichliche Stimmung vor Ort vorbereiten.“
  • Köln hat echt eine Menge Karnevalsvereine
  • Die Funkenmariechen haben meinen größten Respekt für die sportlichen Leistungen
  • 4 Stunden rumstehen sind aber auch anstrengend

 

Nach einem leckeren Burger im Bird Cologne und einem Nachmittagsschläfchen verbrachten wir den Abend dann in einem Irish Pub (klar, was sonst?). Dort war richtig Stimmung und die Musik wechselte zwischen Partyklassikern, kölschem Liedgut und Schlagern. Vielleicht war das nur die kölsche Freundlichkeit – aber recht viele Mitfeiernde lobten die Auswahl unserer Kostüme. Mittlerweile waren wir auch schon soweit angesteckt, dass wir ebenfalls das Tanzbein schwungen. Fühlte sich irgendwie auch ähnlich an wie in der Hafenbar – nur kostümiert.

Di. 09.02.216

Am Veilchendienstag hätten wir uns noch jede Menge Veedelszüge anschauen können – aber wir zogen es vor, klassisches Sightseeing und Shopping zu unternehmen.

Am Abend zuvor hatten wir den Tipp bekommen, dass „Em golde Kappes“ genau der Ort wäre, wo wir sein wollen für die letzten Stunden Irrsinn bevor am Aschermittwoch alles vorbei sei. Da überlegten wir nicht lange, schwangen uns wieder in unsere Panda-Kostüme und fuhren den weiten Weg nach Nippes. In der urkölschen Kneipe erlebten wir dann wohl das traditionellste was man am Karneval mitmachen kann:

  • nur kölsches Liedgut – den ganzen Abend lang
  • Kölsch für lächerliche 1,40 Euro
  • die obligatorische Nubbelverbrennung (der größte Dreckssack von Nippes)

Wir waren offenbar die einzigen Fremden dort und ein Kollege der Nippeser Bürgerwehr war auch ehrlich erstaunt: „Ihr fahrt aus Berlin hierher? Und dann kommt ihr nach Nippes???“

Ja – für den einen oder anderen grandiosen, witzigen, lauten, verkleideten, kölschen Karnevalsabend – machen wir das. Vielleicht werden wir sogar Wiederholungstäter. Aber verratet das niemandem in Berlin.

Fotos: überwiegend von Andreas Kruck (ein paar wenige von mir selber)

Du sollst mich lieb haben!

In den meisten Fällen überlege ich mir sehr genau, was ich in meinem Twitter Account so von mir gebe, auch wenn ich mein Geschreibsel gern als „Gedankenmüll“ bezeichne. Vor Kurzem aber liess ich mich – meiner besten Freundin gegenüber – zu einer spontanen Reply hinreissen und schrieb ihr in etwa „Du sollst mich immer lieb haben!“. Der Zusammenhang spielt in der Tat keine große Rolle und im Moment des Schreibens und Sendens habe ich mir auch gar nicht viel dabei gedacht. Erst als ich ihre Antwort bekam, wurde mir klar, was ich da verlangt hatte. Natürlich hat sie mich lieb. Sonst wäre wir ja keine Freundinnen – schon gar nicht seit etwa 13 Jahren.

Aber darf man als erwachsener Mensch die Forderung „Hab mich lieb“ aussprechen? Auweia… das darf man natürlich nicht!

  • Man darf darum bitten, lieb gehabt zu werden.
  • Man darf selbst lieb haben.
  • Aber man darf Zuneigung nicht einfordern oder gar erzwingen wollen.

Wenn mich ein Mensch nicht lieb hat (so wie ich bin) – dann hilft auch kein Fordern, kein Drohen, kein Bitten, Flehen oder Hoffen. Wird schon Gründe haben…
Alles was bleibt ist die Selbstreflektion, warum das Gegenüber nicht meinem Wunsch entspricht, mich lieb zu haben. Oft finde ich banale Antworten, mit denen ich sehr gut leben kann. Manchmal tappe ich aber im Dunkeln und muss einfach die Situation akzeptieren. Nicht immer einfach. Ich mag es, gemocht zu werden.

Eine meiner größten Ängste ist es, dass sich Menschen, die ich mag oder sogar liebe einfach von mir abwenden. Diese Angst hat mich schon so viele falsche Wege gehen lassen, dass es selbst mir unheimlich ist. Einer dieser falschen Wege ist sicherlich auch, Zuneigung offen einzufordern.

Daher möchte ich mich hier und jetzt bei meiner Liebsten entschuldigen: War ein blöder Spruch, hat in den Kontext gepasst, war aber nicht so gemeint, wie ich es im nachhinein interpretiert habe. Ich hab dich lieb! Ohne Wenn und Aber ❤

Gab es die 1990er wirklich? Ein Rückblick mit Ausblick

Drüben bei Facebook fragte meine Jugendfreundin Christine heute „Sind wir uns eigentlich ganz sicher, dass es die 1990er Jahre wirklich gegeben hat? Und falls ja, warum erinnere ich mich dann an so gut wie gar nichts mehr…“

Ja es gab sie, da bin ich mir ziemlich sicher – denn ich erinnere mich noch sehr gut daran. Positiv wie auch negativ. Eigentlich sogar so negativ, dass ich die Freundin um ihre Gedächtnislücke ein wenig beneide.

In den 1990ern war ich Teenager – und zwar war ein furchtbarer:

  • Das erste Mal verliebt… natürlich in den tollsten und schönsten Jungen der Gegend. Für ihn war und blieb ich aber die Nachbarin mit der man als Kind tolle Buden gebaut hat, auf Bäume kletterte und diversen Unsinn anstellte.
  • Mein Drang „frei“ und „unabhängig“ in meinen Gedanken und in meinem Tun zu sein war überwältigend. Sehr zum Ärger meiner Eltern. Es gab ständig Streit. Dafür kann ich mich gar nicht genug bei meiner Familie entschuldigen.
  • Auf der Suche nach meiner eigenen Persönlichkeit verlief ich mich einige Male ganz mächtig in den verschiedensten Ecken menschlichen Daseins.
  • Ich war anders. Außenseiter par excellence. Das störte mich aber nur selten, denn ich wollte mich partout nicht den verschiedenen Gruppenzwängen aussetzen, um „nur“ dazu zu gehören.
  • Die zweite Hälfte der 90er verbrachte ich größtenteils mit meiner damaligen großen Liebe. Ein junger Mann, der ebenfalls nicht cool und hip war. Wir verstanden uns meistens prächtig und glaubten an das große Glück. Eine solche enge und langanhaltende Bindung im Teenageralter sehe ich heute als extrem schwierig an. Meiner gesamten Persönlichkeitsentwicklung, meinem Entdeckerdrang und besonders meiner sekundären Sozialisation habe ich damit jedenfalls keinen all zu großen Gefallen getan.

All das führte dazu, dass ich mir schon früh ein Selbstbildnis schuf, das auf Bestätigung von aussen angewiesen war und die eigene Rebellion gegen dieses Bild von mir machte mich zu einem unglaublich anstrengenden Teenager – sowohl für die Familie als auch für Freunde.

Aber ja, ich hatte Freunde. Sehr gute sogar. Wenn auch nur wenige. Die anfangs erwähnte Jugendfreundin Christine gehörte in jedem Fall dazu. Mit diesen Freunden erlebte ich auch viele wunderbare Momente, die es wert sind, sich zu erinnern. Wir teilten das schwere Los des „Erwachsenwerdens“, lachten und weinten gemeinsam. In den späten 1990ern sorgte ich mit meinem Verhalten aber leider auch dafür, dass sich in ein paar Fällen „Freunde“ (aka Menschen, die ich dafür hielt) von mir abwandten. Die Schule wurde für mich zu einem sozialen Pflichtprogramm. So gern ich auch lernte – ich hasste es dort hin zu gehen. Die Kür fand dann am Nachmittag statt – wenn ich so sein durfte wie ich war, wenn ich meine wahren Freunde treffen konnte.

Was genau stellt man mit einer solch verkorksten Jugend an? Man lässt sie einfach hinter sich, vergisst sie, meidet alles und jeden was die Erinnerung an diese Zeit aufleben lassen könnte. Geht ganz einfach – habe ich jahrelang so gemacht.

Ich kann weder Zeitpunkt noch Ursache genau benennen – aber irgendwann blickte ich nicht mehr mit schlechten Gefühlen in die 1990er zurück. Heute sehe ich mir sogar gern Fotos aus dieser Zeit an – mal wehleidig, mal schmunzelnd. Alles was ich damals erlebte – mein falsches und mein richtiges Handeln – machte mich zu dem Menschen, der ich heute bin. Es war ein extrem holpriger Weg. Aber ich glaube so ganz und gar falsch war er dann doch nicht.

PS: Ich glaube, ich könnte mittlerweile sogar an ein Klassentreffen denken, ohne dass sich mir der Magen umdreht. Viel lieber würde ich aber all die Menschen wieder treffen wollen, die ich auch heute noch – rückblickend – als echte Freunde bezeichnen würde, auch wenn sich unsere Wege irgendwann trennten.

„Vor 10 Jahren mochte ich dich nicht, jetzt schon“

In einer Bierlaune gab ich vor einiger Zeit genau diese – eigentlich völlig belanglose – Information an eine Herzfreundin weiter. Was ich mir dabei gedacht habe? Nichts! Die Herzfreundin machte sich aber Gedanken in ihrem Blog, die mich tief bewegten: http://kleinekramkiste.de/2013/10/11/fragzeichen/

  1. Hat sie absolut recht: Menschen, die mir nicht gut tun, haben nichts mehr in meinem Leben verloren. Diesen Grundsatz habe ich bereits vor einiger Zeit erfolgreich umgesetzt.
  2. Frage ich mich jetzt, wie es dazu kam, dass wir mittlerweile so gute Freundinnen wurden

Vor etwa 10 Jahren lernte ich ein paar Menschen kennen, die ich auf Grund ihres Verhaltens nicht sehr schätzte. Der Kontakt verlief sich auch extrem schnell wieder und ich gab das gemeinsame Hobby auf. Das hatte zur Folge, dass ich auch sehr nette Menschen nicht mehr traf. Dank Twitter und einer unglaublich langweiligen Party traf ich jemanden wieder, mit dem ich heute den Großteil meiner Freizeit verbringe. Aufmerksame Leser meines Blogs werden schon ahnen, dass es sich hierbei nur um den gehirnstürmer handeln kann. Durch ihn entdeckte ich auch das Hobby „Larp“ wieder, was zwangsläufig dazu führte, dass ich viele Menschen von damals wieder traf. Wer mich kennt, weiß, dass ich offen bin, neue Menschen kennen zu lernen. Aber hat jemand mein Vertrauen und meine Freundschaft verspielt, führt uns so schnell kein Weg wieder zusammen.
So blieb es dann auch bei einer etwas eisigen Stimmung bei diversen Veranstaltungen. Ich traf in diesem Zuge auch die heutige Herzfreundin wieder. Irgendwas war aber anders. Ich konnte sie nicht, wie ich es gern bei anderen tat, einfach ignorieren, weil der gehirnstürmer sie dafür viel zu lieb hat. Nur wenige Treffen später stellte ich erfreut fest, dass sie nicht mehr die gleiche Person ist, die ich vor 10 Jahren kennenlernte. Im Gegenteil: warmherzig, oft gut gelaunt, schonungslos ehrlich – um nur einige wenige Eigenschaften aufzuzählen, die ich heute so sehr an ihr schätze.

Jetzt stelle ich mir aber folgende Fragen:

  • Hätte ich ihre neuen Seiten kennengelernt, wäre ich durch unseren gemeinsamen Freund nicht quasi gezwungen worden?
  • Bilde ich mir zu schnell eine Meinung über Menschen?
  • Sollte ich Menschen in meiner Umgebung mehr Chancen geben – auch wenn sie keinen Platz mehr in meinem Leben verdient hätten?

Menschen ändern sich… Das ist keine Neuigkeit für mich – und doch war ich immer extrem verschlossen, wenn Menschen mich einmal dazu gebracht haben, dass ich sie nicht mehr mag – oder noch schlimmer: dass sie mir gleichgültig wurden. Mich so weit zu bringen braucht schon sehr viel Ausdauer oder wirklich, wirklich mieses und hinterhältiges Verhalten. Aber wenn es soweit ist, bin ich festgefahren. Sollte ich das vielleicht ändern? Eine weitere Chance vergeben? Menschen ändern sich… Und im Fälle meiner Herzfreundin bin ich sehr froh, dass sie diese Chance erhalten hat. Ich bin froh, dass ich über meinen eigenen Schatten gesprungen bin. Vielleicht kann ich das für andere Menschen in meiner Umgebung auch machen… Und vielleicht gehen dafür nicht erst sieben Jahre ins Land.

Frauen sind zur Freundschaft nicht fähig

Ihr kennt mich. Mein Leben orientiert sich größtenteils an zwei Dimensionen: Freundschaft und Arbeit.
Während letzteres in den meisten Phasen meines Lebens ganz ordentlich und ohne all zu große Stolpersteine verläuft, macht mir das Thema „Freundschaft“ immer mal wieder zu schaffen. Dumme Verhaltensweisen ziehen sich wie rote Fäden durch mein Leben:

  • Ich vergraule Menschen schon in frühen Stadien des Kennenlernens, weil ich mich entweder zu selten melde und nur wenig Zeit habe oder aber deutlich zu viel Zeit investieren möchte
  • Ich bin naiv und glaube an eine ehrliche und tiefe Freundschaft zwischen Männern und Frauen (jaja – diese alte Diskussion sparen wir uns an dieser Stelle bitte)
  • Ich vertraue Menschen zu schnell, die es leider nicht verdienen, meine Seele derart zu berühren
  • Ich neige zu Eifersucht (hier ist nicht die romantische Eifersucht gemeint, sondern der Neid, dass Freunde mehr und qualitativ hochwertigere Zeit mit anderen Menschen verbringen als mit mir)

Das alles führte bereits zu vielen Nächten in denen die Gedanken Karussell fahren. Oft lag ich totmüde stundenlang wach, dachte über die eine oder andere zerbrochene Freundschaft nach – weinte mich dann zu häufig in den Schlaf (das macht doofe, hässliche und rote Augenringe am nächsten Morgen. Tut das nicht.)

Die letzten Wochen gaben mir den einen oder anderen Anlass, mal wieder über mein eigenes Verhalten und Freundschaften nachzudenken.

  • Ich fühlte mich (vollkommen ungerechtfertigt!) vernachlässigt – und das auch noch von zwei unabhängigen Seiten
  • Ich hatte Angst, ein Mensch den ich in sehr kurzer Zeit ins Herz geschlossen habe, würde Berlin – ja sogar Deutschland – bald wieder verlassen (nachdem das zwei andere liebe Menschen bereits getan haben)
  • Ein ehemaliger Freund, antwortete nicht auf meinen Versuch, per Geburtstagsgruß den Kontakt wiederherzustellen

Eingelullt in all diese düsteren Gedanken hörte ich gestern in einem Podcast ein historisches Zitat, das die Lösung all meiner Sorgen zu sein scheint: „Die geistigen Gaben der Frauen reichen gemeinhin nicht zu dem Gedankenaustausch und Umgang hin, noch scheint ihre Seele stark genug, um die Spannung eines so fest geknüpften und so dauerhaften Bandes zu ertragen.“ (Michel de Montaigne, Philosoph 1533-1592)

Ich als Frau bin also gar nicht zu Freundschaft fähig! Das ist eine Erleichterung sondergleichen. Wenn der Herr Montaigne recht hat, muss ich mir ja gar keine Gedanken mehr machen. Phuuuu ;o)

Dumm nur, dass ich in einer etwas moderneren Welt lebe und der Meinung bin, dass meine geistigen Gaben ausreichend sind und meine Seele stark genug ist, um das Band der Freundschaft zu ertragen. Ich muss nur noch lernen, sorgfältiger mit der Ressource „Freund“ umzugehen.

PS: An dieser Stelle möchte ich allen Herzmenschen danken, die über diverse Kommunikationskanäle nach meinem Wohlbefinden fragten, als ich mal wieder tief in einer solchen „Mimimi“-Phase steckte. Mehr als „Mimimi“ können diese Phasen eigentlich auch nicht sein… denn mir geht es mehr als gut, solange ich Menschen wie euch habe ❤

Ein Wochenende Wellness für zwei

Mein Schwesterherz und ich sind so unterschiedlich wie Geschwister nur sein können. Sie ganz der Papa – ich ganz die Mama – und unsere Lebensentwürfe decken sich nicht mal ansatzweise. Hinzu kommt ein Altersunterschied von stolzen 7 Jahren. Dennoch sind wir in den letzten Jahren zu einem „ordentlichen“ Geschwisterpaar herangewachsen, zoffen uns nicht mehr bei jeder Gelegenheit und kümmern uns umeinander. Ich möchte sogar soweit gehen und behaupten, dass wir in den letzten Jahren in Zusammenhang mit diesem ominösen „erwachsen werden“ auch Freundinnen geworden sind.

Zu dieser „neuen“ Konstellation gehört auch ein gemeinsames Wochenende, das wir mindestens einmal im Jahr zusammen verbringen wollen. In diesem Jahr sollte es auch wirklich ein Wochenende nur für uns sein. Keine Kinder (ihre), keine Männer, keine Freunde. Schnell einigten wir uns auf das Tropical Island und eine Übernachtung in einem der Häuschen in der Halle.

Alles in allem war das ein wunderbares Wochenende mit vielen Saunagängen, herausfordernden Aufgüssen, einer Massage und ganz wichtig: Schirmchendrinks.

Dennoch gab es ein paar Punkte, die mich dieses Mal im Tropical Island irgendwie gestört oder geärgert haben:

  • Es gibt das tropische BBQ nicht mehr als „All you can eat“. 1x Salat, 1x Suppe, 1x Hauptgang (in den gleichen winzigen Schüsselchen, in denen noch letztes Jahr mehrere Hauptgänge gereicht wurden) und 1x Dessert kosten aber immer noch stolze 15,- Euro. Dieser Preis wäre absolut ok, gäbe es größere Schüsselchen.
  • Viele Menschen im Saunabereich kennen die Regeln trotz vieler Hinweisschilder und Piktogramme nicht (oder ignorieren sie einfach). Sie gehen bekleidet in die Sauna, nutzen die Duschen nicht, belegen Plätze vor einem Aufguss mit dem Handtuch, vergnügen sich nicht jugendfrei im Whirlpool. Da könnte die Crew die Kontrollgänge, die ja durchaus durchgeführt werden, gerne mal verstärken.
  • Die gemütliche Moody Lounge wurde umgebaut und büßte somit viel Flair ein. Insbesondere die Fernseher mit der Fussballübertragung störten.
  • Die Thai-Massage war eher eine Mischung aus Thai- und traditioneller Massage. Damit haben wir nicht gerechnet. (Trotzdem war sie unglaublich gut und meine Schulter tut gerade mal nicht weh)

Trotz dieser ärgerlichen Kleinigkeiten haben wir aber den Zustand der glückseeligen Tiefenentspannung erreicht und bereuen dieses durchaus teure Wochenende überhaupt nicht. Aber vielleicht suchen wir im nächsten Jahr ein anderes Ziel. Alternativen gibt es ja schliesslich genug. Ich zum Beispiel würde unglaublich gerne mal die Therme in Erding ausprobieren. Aber egal wohin es uns nächstes Jahr treibt: hauptsache ein Wochenende lang Wellness, hauptsache mit meiner Lieblingsschwester.

Ein Wochenende mit Freunden

Ich habe mich ja schon oft gefragt, was Menschen eigentlich zu Freunden macht (z.B. Freundschaft) und manchmal zweifle ich auch daran, ob all die Menschen, die ich als Freunde bezeichne, tatsächlich diesen Titel verdienen…

Alljährlich veranstalte ich ein Sommerfest im Garten meiner Eltern. Geboren wurde diese Idee im Jahre 2003 als ich in Coburg lebte und all meine Herzmenschen und Freunde aus Berlin nur selten sehen konnte. Was lag da näher, als:

  • Alle Freunde anrufen und für ein Wochenende einladen
  • Zelte aufbauen
  • Ein Lagerfeuer entzünden (und die obligatorischen Lieder singen)
  • Gemeinsam kochen
  • Gemütlich zusammen sitzen
  • Das eine oder andere Bierchen trinken (natürlich Eschenbräu)

FeuerKONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAkochen

Mittlerweile ist dieses Wochenende deutlich organisierter (ich lasse kochen und das leckerste Bier Berlins gibt es aus logistischen Gründen leider auch nicht mehr) – aber der Grundgedanke ist immer noch da. Ich sehe all die Menschen, die mir am Herzen liegen ein ganzes Wochenende und sorge soweit es geht dafür, dass sie eine gute Zeit haben.

Mit den Jahren wurde diese Veranstaltung sehr beliebt und der Garten stößt an die Kapazitätsgrenzen. Es gibt keine Fläche für weitere Zelte, am Lagerfeuer können nicht mehr alle Gäste Platz nehmen und von der Schlange vor der Dusche am Morgen möchte ich gar nicht erst reden. Daher musste ich auch dieses Jahr wieder überlegen, wen ich einlade und wen nicht. Um euch mein Dillemma dieser Entscheidungsfindung etwas näher zu bringen, gebe ich hier ohne Wertung einige meiner Gedanken wieder:

  • Na klar müssen meine ältesten Freunde dabei sein!
  • Aber ich möchte auch neue Freunde einladen!
  • Und überhaupt. Was habe ich mit Person X denn noch zu tun? Wir sehen uns doch eigentlich nur zum Sommerfest
  • Hat sich Person Y eigentlich jemals bei mir gemeldet?
  • Wie gern hätte ich liebste Freunde aus Huntlosen dabei… aber das geht aus gesundheitlichen Gründen leider nicht.
  • Ob es Personen A, B und C wohl letztes Jahr gefallen hat? Kannten ja niemanden weiter und blieben eher unter sich.
  • Ach – ich lad sie einfach wieder ein. Absagen können Sie ja immer noch.
  • Einer meiner Herzmenschen wird endlich mal Zeit haben! \o/
  • Bitte was? Du möchtest 5 (in Worte: fünf) weitere Personen mitbringen, die ich nicht kenne? Ähm… eher nicht.

Am Ende waren es 30 erwachsene Gäste (soweit man bei dieser Truppe von „erwachsen“ reden kann) und 7 Kinder… und ich habe mich über jeden einzelnen Gast – groß wie klein –  gefreut!

Alte wie neue Freunde verbrachten eine schöne Zeit (bilde ich mir zumindest ein) und ich bin überzeugt davon, dass es genau die richtige Mischung an Leuten war. Ich sah den Großteil meiner Vergangenheit, meine Gegenwart und meine Zukunft versammelt an einem Platz und ich habe mir mehr als einmal gewünscht, dass solche Harmonie beständig sein möge.

In diesem Jahr wurde mir die Bedeutung meiner Freunde besonders bewusst, da ich mich leider auch von einem Freund aus Kindertagen für immer verabschieden musste. In dieser schweren Zeit konnte ich mich nach dem Abschied einfach in offene Arme fallen lassen und  still in Erinnerungen schwelgen. Mir wurde so wieder mal vor Augen geführt: Ich kann mich auf meine Freunde verlassen – sie sind für mich da wenn ich sie brauche.  Auch wenn wir uns nur einmal im Jahr sehen.

Das alles sind Gründe, dass es – trotz zunehmendem Organisationsstress – auch im nächsten Jahr wieder ein wundervolles Wochenende mit Freunden, Lagerfeuer, Zelten, Essen, Getränken und Gesprächen geben wird. Ich freue mich schon jetzt drauf.