Mythodea – Abschiedsgedanken

Der Abreisetag war im Großen und Ganzen ein ganz normaler Abreisetag – nur besser organisiert. Auf das Gelände durften nur PKW fahren, die der Spielleitung nachgewiesen haben, dass sich alles Gepäck fertig in der Ladezone befindet. So wurde verhindert, dass zu viele Autos die wenigen Stellplätze unnötig lange belegen. Um es kurz zu fassen war unser Tagesablauf wie folgt:

  • Frühstück und Kaffee
  • Verabschiedungen, Knuddeln hier, Umarmungen da
  • Klamotten packen, Zelt abbauen
  • Lange – politisch motivierte – Gespräche während wir darauf warteten, dass es in der Ladezone leerer wurde
  • Einpacken und losfahren ohne einen Blick zurück zu werfen

Die Heimfahrt war sehr still und es dauerte nicht lange, dass meine Mitfahrerinnen eingeschlafen waren. Die paar Kilometer von Hannover nach Berlin kamen mir noch nie so anstrengend vor. Spät am Abend durfte ich dann auch endlich in mein kuschlig weiches Bettchen fallen und sofort einschlafen. Gedanken über die vergangenen Tage machte ich mir erst beim Schreiben der vergangenen Blogposts und es gibt noch immer Einiges, das nicht zu Ende gedacht ist. Darum bewerfe ich euch jetzt einfach mal mit ein paar Gedankenfetzen. Fühlt euch frei, sie mit mir zu diskutieren – hier oder persönlich.

  • Larp ist ein Hobby das man nicht nebenbei macht. Gewandungsgrillen kann man notfalls auch auf dem Tempelhofer Feld veranstalten. Sieht dann zwar seltsam aus, bedeutet aber sicher nur marginalen Unterschied.
  • Eine Veranstaltung über mehrere Tage ist deutlich intensiver als ein Tavernenabend und ich finde, diese Zeit sollte man mehr intime als outtime verbringen.
  • Sich als Anfänger einer Gruppe anzuschließen, die schon seit vielen Jahren spielt kann zwei Effekte haben:
  1. Man selbst wird lethargisch, findet alles langweilig, nimmt nicht am Spiel teil. Warum? Langjährige Spieler neigen zu einer Langeweile-Haltung während des Spiels. Hat man ja alles schon gesehen oder gehört – nichts kann mehr faszinieren. Alle Heldentaten sind schon erlebt und besungen – der Fantasie bleibt kein Raum. Dieses Verhalten steckt leider auch Anfänger an.
  2. Die langjährigen Spieler entdecken durch den Enthusiasmus des Neulings wieder, warum sie dieses Hobby vor langer Zeit überhaupt mal angefangen haben. Die Faszination der Fantasie wird wieder erweckt.
  • Für mich persönlich soll LARP in Zukunft ein Mittel sein, meine Schwächen zu bekämpfen oder zumindest zu lernen mit ihnen umzugehen. Ich weiß ziemlich genau in welchen Bereichen ich Defizite habe und dieses Hobby bietet mir in mehr als einer Hinsicht die Möglichkeiten, genau in diesen Bereichen an mir selbst zu arbeiten.
  • Ich hoffe, in Zukunft auch von Heldentaten berichten zu können – aber dazu muss ich vor allem eines tun: spielen! Genau das werde ich auch tun – notfalls in einer anderen (noch zu findenden) Gruppe.
  • Mythodea ist eine Großveranstaltung und es hat sich gelohnt, das alles einmal erlebt zu haben. Ob der Preis einen zweiten Besuch wert ist, weiß ich noch nicht so richtig. Hier geht es mir allerdings weniger um den Eintrittspreis als mehr um die Woche Urlaub, die dabei zwangsweise draufgeht.
  • Auch wenn ich viele negative Stimmen zur Orga und zum Plot gehört habe: für mich als Neuling und mit kindlichem Blick auf das Geschehen war das alles sehr spannend und aufregend. Die Stadt mit all den Händlern, die liebevoll gestalteten Lager, das Siegel, die teils fantastischen Palisaden (insbesondere im Luftlager), die kunstvollen Darbietungen auf dem Hauptplatz der Stadt (Feuer- und Wassershows), die Musik, und noch soooo viel mehr.

Mir gehen noch viel mehr Gedanken durch den Kopf, wenn ich Mythodea Revue passieren lasse. Leider sind diese wirren Fetzen noch nicht richtig formulierungsbereit. Darum erspar ich sie euch lieber.

Schlussendlich möchte ich mich bei ein paar lieben Freunden ganz besonders bedanken:

  • Elli, die mir unermüdlich morgens die störrischen Haare zu einer praktischen Frisur geflochten hat. Vielen Dank dafür!
  • Die Crew des Jolly Rouge, die mir mit dem eigentlich nicht vorhanden Service eine wunderbare Zeit, einen Zufluchtsort und vor allem morgendlichen Kaffee und andere leckerste Drinks geboten hat. Vielen Dank dafür.
  • Lena, die mich immer wieder aus meiner Lethargie herausholte und mir zeigte, dass Rollenspiel wirklich Spaß machen kann, wenn man dazu bereit ist. Vielen Dank dafür!
  • Georgi, die das alles auch zum ersten Mal erlebte und die Gruppe mit Enthusiasmus und unglaublicher Entspannung (gleichzeitig!) ansteckte. Georgie, thank you for sharing this experience. I enjoyed being relaxed and excited with you about all the new impressions!
  • Marko, der mit netten und gemütliche Abenden und einer rauschenden Geburtstagsfeier dafür sorgte, dass schlechte Laune immer wieder schnell verflog. Vielen Dank dafür!
  • Andy (der gehirnstuermer) der mich überhaupt erst überzeugt hat, mitzufahren und sich die gesamte Zeit rührend um mich und meine Launen gekümmert hat. Danke für alles ❤

Fühlt euch alle herzlichst umarmt und gegebenenfalls geküsst. Ich hatte eine großartige Zeit, auch wenn das manchmal nicht ganz so den Eindruck gemacht hat.

„Wir sehen uns in Mythodea!“ Vielleicht.

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4 Gedanken zu “Mythodea – Abschiedsgedanken

  1. Vielen Dank für Deinen intensiven Rückblick auf das ConQuest und Deine netten Worte. Ich werde mir Mühe geben, in Zukunft wieder konsequenter Rollen zu spielen, wie ich herausgefunden habe, ist das nämlich auch ein Stück weit Entscheidungssache 😉

    Ach ja: Und das Angebot, einen netten kleinen Con zu suchen, weit weg mit möglichst wenigen bekannten Gesichtern für möglichst wenig OT-Ablenkung, steht immer noch.

    Antwort
  2. Pingback: LARP: Back to the Roots | Berlin Bea

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